Schwabacher Winter Ultra 2015

Gerhard und Margot haben wieder geladen – und alle kommen. Es geht wieder in einer 56km-Runde rum um Schwabach. Diesjährig wartet Gerhard mit neuen Streckenabschnitten auf, nach wie vor gibts 4 VPs mit All-Inklusiv-Service. ich bin gespannt.

Alle Jahre schreibt Gerhard in seiner Ausschreibung:

…für wind- und wetterfeste Läufer in moderatem Tempo (ca. 7:00 bis 7:30 min/km) durch die hoffentlich winterliche mittelfränkische Landschaft rund um Bayerns kleinste kreisfreie Stadt.

Das liest sich zunächst verlockend und könnte so auch in einer Infobroschüre des Fremdenverkehrsamtes stehen um übergewichtigen Touristen das Schwabacher Umland nahe zu bringen. Aber als Routinier und mehrfacher Finisher des SWU weiß ich, dass die Geschwindigkeitsangaben gerade mal an den VPs eingehalten werden. Wenn der Tross erstmal läuft dann ist Feuer unterm Dach.

Aber auch das kann mich nicht abhalten und auch ich stünde – wenns sein muss – persönlich auf der Matte, wenns da um einen Startplatz geht. Der SWU ist für mich Pflicht und viele andere empfinden genauso. Um diese Jahreszeit stehen die einen bereits voll im Trainingssaft, die anderen wiederum haben noch mit den Folgen einer Lebkuchen- bzw. Christstollenüberdosierung zu kämpfen.

Der Winter macht derzeit kurz Pause und es droht für den diesjährigen SWU ein Frühlingseinbruch. Aber am Starttag ist es angenehm kalt und trocken mit viel Sonne, leider auch schneefrei. Man kann nicht alles haben.

Mit dabei sind auch wieder viele bekannte Gesichter und auch Bernds obligatorischer Vierbeiner darf nicht fehlen.

Verletzungsbedingt hatte ich die letzten Monate wenig auf den Langdistanzen getan. 8-10 km pro Tag mit einigen Höhenmetern sind eher im rehabilitativen Bereich und dient eher der Vermeidung einer drohenden Verweichlichung. Aber Schonung ist und war wichtig. Jetzt bin ich schmerzfrei an allen Ecken und Enden und umso gespannter, wie sich der SWU diesmal anfühlt.

Vorab meinen Dank für die Einladung, die ganze Orga und das diesjährige Abenteuer.

Frühstarter

SWU2015_01Start und Ziel ist das CityAktiv Fitnesscenter in Schwabach. Ich starte von dort mit Uwe ca. 20 Minuten vor dem Hauptfeld. In den vergangenen Jahren zeichnete sich beim SWU immer mehr der Trend zum Geschwindigkeitsrausch ab. Ich will heute nur ankommen und ckecken ob mein Fahrgestell wieder funktioniert. Deshalb riskiere ich lieber nichts und laufe mit Uwe bereits 20 Minuten vorher los. Ich finde bald mein Tempo und wir cruisen dahin.

Nach ein paar Meter hält neben uns die Polizei und erkundigt sich, ob hier eine Laufveranstaltung sei. Wir klären das und wir ziehen unseres Wegs. Ich habe mein Navi dabei und so verhauen wir uns nur mäßig auf die ersten Meter, aber dann läufts. Die ersten Meter im Wald sind traumhaft. Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch den Nebel. Wir sind im Flow und laufen nach ein paar Kilometern auf die Knoppers-Frühstartergruppe („…halbzehn in Deutschland...“) mit Peter, Dieter, Hartmut und einigen anderen auf und verlieren uns in angenehmen Plaudereien. Es gibt viel zu erzählen. Jede Menge Tratsch und wieder wird mir vor Augen geführt, wie stressfrei mein Leben nach Facebook geworden ist.

Gerhard hat, wie bereits eingangs erwähnt, die Strecke erneut optimiert und es ist traumhaft – auch ohne Schnee. Die Sonne wärmt uns in den baumlosen Abschnitten und die Vögel zwitschern, als wäre der Winter schon vorbei. Und nach 8 Kilometer laufen wir durch herrlichstes Trailgebiet. Eine Mountainbike-Trainingsgelände bietet bestes Trailterrain.

Kammerstein

SWU2015_05Die kurzweilige Streckenführung lässt einen das Gefühl für Distanzen vergessen und bis wir uns versehen, stehen wir in Kammerstein am VP. Hier ist wieder alles reichlich gedeckt. Wir sind die Ersten und bedienen uns schon mal.

Ich möchte die Standzeiten kürzer ausfallen lassen und ich laufe deshalb mit Uwe ziemlich zeitig wieder los, als uns das Hauptfeld schon mit Getöse entgegen kommt. Meine anfangs beschriebene Vermutung bewahrheitet sich: Die sind echt schnell und haben 10 Minuten auf uns gut gemacht. Manchen sieht man das aber jetzt schon an.

In moderatem Tempo laufen wir durch die herrliche Landschaft. Dieter ist mit unserer Truppe beim letzten VP gestartet und er weiß unendlich viele Geschichten und haut einen Lacher nach dem anderen raus. So kommt’s schon mal vor, dass wir vor lauter Labern trotz Navi falsch laufen. Dann ist Schluss mit Lustig und wir werden wir kurz vor Abenberg vom Hauptfeld eingeholt und daran erinnert, dass das hier immer noch eine Laufveranstlatung ist. Die sind echt schnell und ich sehe mich in meiner Entscheidung, früher zu starten, bestätigt. Manche sind schon ganz schön aus der Puste. Ich bin froh, dass ich mit Navi laufen kann, zur Not auch alleine, gerne auch als Besenläufer.

Abenberg

SWU2015_10Mit der gesamten Truppe erobern wir alljährlich die Burg Abenberg und halten kurz von der Burgmauer Ausschau, um dann zum nächsten VP aufzubrechen. Margot und ihre Helferschar warten bereits – es ist angerichtet. Schwitzende und schnaubende Gestalten belagern mit hochroten Köpfen das Trail-Buffet und laben sich daran.

Diesmal gibt’s sogar vegetarischen Brotaufstrich (Ihr seid der Hammer!!). Dann setzt sich das Feld wieder in Bewegung und zieht weiter. Schon beim Anlaufen merke ich, dass es denen pressiert und ich entschließe mich, mich als Letzter einzureihen und mein Tempo zu laufen. Ich vertraue mich jetzt dem Navi an. Uwe wartet zwar noch auf mich, aber den sticht der Hafer und schicke ihn weiter.

SWU2015_17Auf der Forststraße kurz vor Asbach sehe ich weit vor mir den letzten Läufer im Wald verschwinden und gleich darauf singalisiert mir mein Navi, dass ich eigentlich sofort links in den Wald müsste. Ich sehe auch Markierungen an den Bäumen. Sind die jetzt alle – samt Gerhard – falsch gelaufen? Bin ich falsch? Da ich mich ja nie irre, folge ich dem Navi und finde mich in dem von Gerhard erwähnten neuen Streckenabschnitt wieder. Er führt nach Aurau durch den Wald und danach wie gewohnt an der Aurach entlang. Mein Lieblingsstück: Traumhafter Singletrail am Waldrand dem Flusslauf entlang und vorbei am Versuch eines Bibers, den Wald auszurotten. In der Ferne sehe ich Dieter und Hartmut auf der Straße laufen, na gut so falsch kann ich ja dann schon mal nicht sein.

Über die Straße und wieder rein in den Wald. Nach einer Weile macht die Wegführung eine Spitzkehre und ich sehe mich erneut auf einem geänderten Streckenabschnitt. Vor und hinter mir kein Mensch. Na toll, die sind alle schon über alle Berge und ich hample hier noch in der Pampas rum. Aber der Boden hat noch keine Fußspuren. 30 Läufer hinterlassen untrügliche Zeichen mit Trailschuhen, also sind die noch hinter mir oder haben sich wieder verhauen. Ich folge der neuen Wegführung durch Wälder und Felder, fernab von Wegen. Absolute Klasse, ich mag das.

Büchenbach

Nach meiner Feldexkursion lande ich letztlich auf der Straße nach Büchenbach und schramme im Laufschritt beinahe am VP vorbei als mich Ulrike lautstark ruft. Den hatte ich eigentlich ganz woanders auf dem Schirm und beinahe verpennt. Stimmt, da war ja was… Gerhard erwähnte, dass das diesjährig neu ist.

Hier wird gerade aufgebaut, vom Hauptfeld ist niemand zu sehen. Vor mir sind alledings Dieter und Hartmut durch, ohne VP… Die waren zu schnell. Heute ist irgendwie alles durcheinander. Während ich mich verpflege, trifft dann auch das Hauptfeld ein. Ich laufe schon mal vorher los. Jetzt hat Gerhard die Strecke erneut geändert. Sie führt nicht mehr durch den Ort am Bahndamm entlang, sondern gleich in den Wald. Nach Unterquerung der Bahnlinie verläuft die Strecke dann wieder auf bewährtem Pfad an der Rednitz entlang.

SWU2015_21Wieder folgt mir keiner, bin ich so schnell? Wo bleiben die denn? Es kommt einfach keiner nach. Ich drehe mich öfter um – aber nichts udn niemand. Das jährliche Gruppenfoto an der Sonnenuhr, dem Stonehenge von Schwabach, mache ich heute ohne Gruppe. Ich ziehe alleine weiter und laufe gedankenversunken durch die Auen des Rednitzhembacher Kunstwegs, vorbei an den Skulpturen und danach in den angrenzenden Wald..

Als ich das Waldstück verlasse, kommt mir die Hauptgruppe von links entgegen. Ich erspare mir die Frage wo sie denn waren. Außer Gerhard wüsste das sowieso keiner. Ich versuche auch erst gar nicht mich da dranzuhängen, sondern laufe in meinem Tempo weiter. Im Wald, kurz vor dem VP4 kreuzen immer wieder mal verirrte Läufer meinen Weg, aber letztlich landen wir dann doch noch alle am nächsten VP.

Penzendorf

Der letzte VP bei Gerhard und Margot ist immer der beste. Das liegt zum einen daran, dass es dann nicht mehr weit bis zum Ziel ist und zum anderen hat Margot eine Gemüsesuppe zum Niederknien gezaubert. Da willst du gar nicht weiter. Wäre es nicht so kalt und ich nicht so durchgeschwitzt, würde ich jetzt noch auf der Bierbank sitzen.

Irgendwann ist aber Schluss mit gemütlich und die Truppe setzt sich wieder in Bewegung. Ich laufe eine Zeit lang mit und Gerhard zieht nach links zur abgekürzten Variante. Vermutlich reichts ihm, aber abkürzen ist auch wie in den Jahren zuvor keine Option. Wenn – dann richtig. Ich laufe gemäß seinem Track nochmal runter an die Rednitz und es sind nur wenige auf dieser Strecke unterwegs. Es dämmert langsam und die treue Seele Uwe naht von hinten und schließt sich mir an. Wir unterqueren die A6 und ich lege mir schon Ausreden für den Oberförster parat, wenn wir verbotenerweise in das kommende Waldstück nach rechts abbiegen. Aber der Track zeigt geradeaus und die X-Markierungen signalisieren deutlich, dass der bisherige Weg so nicht mehr gelaufen werden darf. Schade, ich hätte zugern sein Rotwild aufgescheucht und es vor seiner Flinte gerettet.

Das Stück fehlt uns schon irgendwie, darin sind wir uns einig. Waren doch zum Schluss noch ein paar schöne Trails zu laufen. Egal, der Streckenchef hat das so entschieden. Danach ist alles beim alten, wir laufen dem hell erleuchteten Schwabach entgegen und verlieren uns in kurzweiligen Gesprächen. Das Ziel beim Fitnesscenter ist schnell erreicht. Dieter und Hartmut sind auch schon da und – Überaschung: Das Hauptfeld natürlich auch. Mit 7,5 Stunden war ich genauso schnell wie die Jahre zuvor, also war ich nicht langsamer, die anderen eben schneller.

Der Service im Fitnesscenter sucht seinesgleichen. Ich oute mich hier erneut als bekennender Warmduscher. Danach die Gemüselagne nach Art des Hauses und ich bin rundum mit mir und der Welt im Einklang.

Fazit

Läuferherz was willst Du mehr? Nette Leute, eine Orga und Helfer die das mit Herzblut stemmen und eine Strecke durch eine wunderschöne Landschaft. Meinen Dank an alle, die das möglich gemacht haben. Dass ich diesmal nahezu alleine gelaufen bin, ist meiner Verletzungspause geschuldet und meiner noch nicht ganz zurückgekehrten Fitness. Aber nächstes Jahr ist alles anders :-).

Links:

Die gelaufene Strecke bei GPSIES: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tyuxfctklgpjipcr
Gerhards Seite: http://www.ultra-burna.de/swu-2015.html