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SWU 2017 – Kalt, hart, schön

Zum sechsten Mal erhalte ich die Einladung von Gerhard, den SWU mitzulaufen. Ich nehme natürlich an und ich weiß, was mich erwartet. Ich habe bei den vorausgegangenen Editionen so ziemlich alle Wetterkapriolen mitgemacht, nur die heutige fehlt mir noch. Bei der Anreise hats hier 13 Minusgrade. Der Himmel ist wolkenfrei und es soll sonnig und um die Mittagszeit dann auch etwas wärmer werden. Eine echte Herausforderung bei der Kleidungswahl. Zuviel und ich schwitze wie ein Schwein im Zwiebelsud, um dann gänzlich auszukühlen oder zu wenig, und mir ist permanent kalt. Ich ziehe mal nicht übertrieben viel an, nehme dafür meinen Olmo 5 mit, mit ein paar Klamotten zum drüberziehen. Die Erfahrung auf dieser Strecke hat gezeigt, dass es am Abend in den Flussniederungen nochmal bissig werden kann.
Ansonsten ist alles wie gehabt. Im Fitness-Center City-Aktiv erstmal meet’n greet der Laufprominenz. Viel Neue sind da, viele alte Hasen. Familientreffen. Margot ist wie immer die gute Seele und die mobile Erstversorgung, sie verfrachtet Futter und Trinkbares an 4 VPs und kümmert sich mit weiteren helfenden Händen drum, dass keiner mit einer negativen Kalorienbilanz den SWU verlässt. Gerhard gibt wie immer den Schäfer, der die Herde zusammenhält.

Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start, läuft die Frühstartertruppe los, die es etwas gemütlicher angehen lassen will. In Anbetracht der Kälte ertappe ich mich kurz bei dem Gedanken da mitzulaufen. Aber letztlich ist‘s egal, die Strecke ist deswegen auch gleich lang und irgenwie komme ich schon an.
Zu meinem Trainingszustand muss ich erklärend sagen, dass ich das vergangene Jahr damit zugebracht habe, ein Haus und eine Wohnung zu renovieren, um dann auch noch einen Umzug gestemmt habe. Da waren ab August 2016 weder lange Läufe, noch Teilnahmen an gewissensberuhigenden Laufveranstaltungen möglich. Entsprechend Bammel habe ich heute. Startschuss um 10 und los geht’s. Raus aus dem Industriegebiet und ab in den Wald.

Gleichmal vorweg: Fotos habe ich nicht viele gemacht. Zum einen habe ich alles schon zig mal fotografiert (es gibt ohnehin zu viel Fotos von schwitzenden Läufern) und zum anderen werde ich bei jedem Fotostopp langsamer, und kann dann zusehen wie ich wieder aufhole.

Es ist schwierig zu laufen. Der Schnee knirscht lautstark und so richtig Grip bekomme ich nicht. Ich habe zwar Yaktrax dabei, aber ich irgendwie lohnt das nicht. Oftmals laufen wir auf schneefreiem Terrain und das Laufen mit den Dingern ist auf Dauer nicht minder anstrengend. Die Wege sind partiell vollkommen vereist. So richtig hinfliegen habe ich aber keinen sehen, toi toi toi…

Es ist traumhaft, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, der Schnee leuchtet um uns rum, wir sind im Läuferhimmel. An die Kälte gewöhne ich mich relativ schnell. Der Streckenverlauf ist identisch zu 2015 und nach dem 6. Mal bin ich hier läuferisch zu Hause. Alles kommt mir beim Durchlaufen vertraut vor und mein inneres Navi leitet mich instinktiv in die richtige Richtung.

Die Geschwindigkeit in der Gruppe ist sehr homogen, auch wenn nach dem VP2 Abenberg kurz das Tempo unnötig verschärft wird, Gehpausen kompensieren das dann wieder.

Max allein im Wald

Ich entschließe mich kurzerhand, den Aufenthalt am VP ein wenig zu verkürzen, mir ist kalt durch die lange Standzeit und brauche dringend Bewegung. Nach jedem VP dauert es länger, bis ich wieder warm werde und in den Flow komme. Ab dem VP 3 in Büchenbach laufe ich deshalb schon mal alleine los.  Ich melde mich bei Gerhard ab und trotte alleine los. Die holen mich nach ein paar Kilometern ohnehin wieder ein. Doch weit gefehlt, ich laufe scheinbar die identische Geschwindigkeit des Hauptfeldes und ich sehe niemanden mehr hinter mir. Bei mir läuft’s und ich bin froh drüber. Nach der langen Langstreckenabstinenz hatte ich schon Bammel, ob ich Schwabach ehrenhaft erreiche.

Irgendwann bei Plöckendorf an der Flußniederung holen mich Ildiko und Chris samt Husky ein. Sie wollten ein wenig aufs Tempo drücken und ziehen dann auch an mir vorbei. Ich verliere sie schnell aus dem Blick und trabe alleine weiter. Wieder geht’s in den Wald, es ist absolut kurzweilig. Immer gibts was Neues zu sehen oder die Strecke ändert ihren Charakter komplett. Dann verlasse ich den Wald und weiß, hier ist der VP4 vor Gerhards Haus irgendwo. Ich muss hier irgendwo rechts rein und trabe etwas trandösig dahin. Ich erkenne die richtige Einfahrt nicht und stehe dann auch schon am Ende dieser Schwabacher Enklave. Ich bin mir gerade gar nicht sicher, ob ich was verpennt habe oder ob die Einfahrt noch kommt. Ich müsste jetzt umkehren und suchen. Aber mein Körper meldet jetzt gerade keinen Mangel und letztlich sinds noch 8 km bis zum Ziel. Also lasse ich den VP schweren Herzens aus (Glühwein und Kuchen waren angekündigt) und laufe in den Abend. Jetzt zieht’s erwartungsgemäß an und mir wird kalt. Ich unterquere die A6 und finde den richtigen Weg in den Wald nicht gleich und trotte zur Strafe direkt an der Auffahrt entlang. Ich suche lange und muss erst mal einen Hang hochklettern, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen. Keine leichte Übung nach 50km.
Dann geht’s in Richtung Schwabacher Zentrum, als mich Chris mit seiner Hündin erneut überholt. Er war in dem Glauben mich überholt zu haben, aber durch meinen unfreiwilligen Boxenstoppverzicht sehen wir uns jetzt wieder.

Er berichtet, dass sich die gesamte Gruppe mit dem Gedanken trägt, die von Gerhard vorgeschlagene kürzere Variante zu laufen. Damit wären alle vor mir im Ziel und bereits geduscht vor mir beim Essen, na toll. Vom Futterneid getrieben, gebe ich mir jetzt nochmal die Kante. Die beiden sind schneller und ich lasse sie erneut ziehen.
Der letzte Trail durch die Auen von Schwabach hat’s nochmal richtig in sich. Baumfällarbeiten machen den Weg zur Tortur und teilweise unpassierbar. Ich weiche komplett von der Route ab und wähle den Weg durch die Wiesen. Der Schwabacher Kirchturm ist in Sichtweite und DER Anlaufpunkt jedes SWU. Ich umrunde ihn (ich vermisse Margot jedes Jahr aufs Neue, niemand der uns hier feiert) und nach einem kurzen Abstecher durch den Stadtpark geht’s zurück Richtung Fitnesscenter.
Dort angekommen bin ich Zweiter. Umsonst so eine Hektik und wie mir später berichtet wird, haben sich scheinbar doch alle ehrenhafterweise für die Originalstrecke entschieden (brav so 🙂 ).
Danach duschen, Flüssigkeit auffüllen und wärmen. Die Gemüselasgane ist jedes Mal der Hammer und Leuten nach so einem Lauf auf einem Laufband zuzusehen, ist unbezahlbar.

Fazit

Schön war’s wieder. Wieder klasse organsiert, danke an Margot und Gerhard für die Orga, Logistik und die Einladung. Besonderen Dank für die Gastfreundschaft an den VPs (Eure Garagen sind schon fast eine zweite Heimat für mich 🙂 )

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