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NAFPUT 2015

Gerhard hat diesmal so richtig Kosten und Mühen gescheut und uns den NAFPUT beschert:

Non Aided Frankenalb Panoramaweg Ultra Trail.

Wichtig ist hier, wie bei allen Börnerschen Läufen, die Endung „UT„. Und wo Gerhard das draufschreibt, ist UT auch drin. Ich bin mit ihm die Strecke im Frühjahr schon mal in einer verkürzten Variante gelaufen und war davon mehr als angetan.

Der NAFPUT folgt letztlich der Originalstrecke des Frankenalb Panoramawegs. Markierungsarbeiten entfallen damit schon mal. 58km und ca. 2000 HM sind machbar, allerdings ohne Support. Jeder muss selber sehen, wie er damit klarkommt. Saufen aus Pfützen, Mundraub in Gärten, Verzehr von vergorenem Fallobst, Einkehr in Gasthäusern (wenn man denn die Zeit hat), Anbetteln von Eingeborenen – alles ist erlaubt. Und spätestens da wird der Hardcoretrailer hellhörig. Mit einer Plastikbecherveranstaltung und geschälten, wohltemperierten Bananen ist hier nicht zu rechnen und grenzt das Teilnehmerfeld schon mal deutlich ein. Dennoch finden sich bereits in der Voranmeldephase schnell 30 Freiwillige. Letztlich starten davon nur noch 22. Im Klartext heißt das: Vollkommene Autonomie und es wird nur das mitgenommen, was man braucht.

Die Zeit- und Streckenkontrolle macht auch jeder für sich selbst: Am Ende muss ein GPS-Track beim Gerhard als Beweis abgeliefert werden. Maximal 9,5 Stunden Zeit, der Tourismusverein macht 5 Tagesetappen draus – wir eine. Mit Trödeln ist’s also nichts.

Damit ist alles gesagt. Fast alles. Ich bin am eigentlichen Renntag leider beruflich verhindert und Gerhard bietet mir an, tags darauf alleine zu starten, wenn ich ihm den GPS-track nachliefere. Ich sage sofort zu und nehme jetzt an einer Laufveranstaltung teil, die es an dem Tag eigentlich gar nicht gibt, ich laufe sie alleine, versorge mich dabei selbst und tauche trotzdem in einer Ergebnisliste auf. Ich sage nur „Freetrail in höchster Vollendung“. Mein persönliches Zeitlimit liegt bei 9 Stunden, dann muss die Kuh vom Eis und ich aus dem Wald sein. Danach wird’s dunkel. Ich nehme sicherheitshalber die Petzl Nao mal mit.

KIMG0170Am Sonntag stehe ich um 08:00 in Lichtenegg am „Start“. Ich singe mir selber eine Starthymne und laufe los. Es regnet und ich bin zunächst etwas zerknirscht, da bei mir in der Ostalb schönstes Wetter ist. Außerdem ist das Aufstehen am Sonntag um 05:30 nicht eine meiner Stärken. Das Wetter ist auch der Grund, warum ich meinen Fotoapparat nicht mitnehme, die Kamera ist nur unnötiger Ballast. Die Fotos könnt ihr meinem Frühjahrsbericht entnehmen, heute hats mehr Grau und Nebel. Auf den üppig mit Laub bedeckten Pfaden entdecke ich so manchen Trailschuhabdruck vom Vortag. Die Wegbeschaffenheit ist von glitschig bis fest. Versteckte Wurzeln und Steine unter dem Laub verlangen hohe Aufmerksamkeit und Trittsicherheit. Ein paar mal rutsche ich aus, kann mich aber immer wieder fangen.

KIMG0168Nach eineinhalb Stunden stehe ich auf dem Hohen Fels, mache ein Selfie und laufe runter nach Happurg. Nach der Ortschaft geht’s die erste markante Steigung hoch nach Deggersberg. Oben angekommen weht mich der Sturm fast aus den Schuhen. Orkanböen fegen über die Ebene und machen mir das Läuferleben schwer. Es ist einsam hier oben, überhaupt ist’s einsam. Kein Mensch der hier freiwillig bei dem Wetter rumirrt. Das schult die mentale Stärke, rede ich mir ein.

Nach 3 Stunden erreiche ich Engelthal (21 km). Das ging schon mal flott, bald ist die Hälfte der Strecke erreicht. Die dicken Brocken kommen aber erst im zweiten Teil des Geläufs. Das Streckenprofil machst deutlich: Die eigenlichen Höhenmeter werden in der zweiten Hälfte gemacht. Die Schleife ab Engelthal ist für mich neu, die sind wir im Frühjahr nicht gelaufen. Und nach 25km Strecke zeigt der NAFPUT Zähne. Rauf und runter im Wechsel, so wirklich laufen lassen kann ich es nicht mehr.

Es dauert eine Weile bis ich wieder in die Zivilisation nach Egensbach (31 km) komme. Meine Trinkvorräte werden langsam knapp und ich male mir schon Dursttod-Szenarien aus. Ich hoffe in der nächsten größeren Ortschaft Kucha (km35) einen Brunnen vorzufinden. Andernfalls werde ich bei Einheimischen mit meinem Ansinnen vorstellig.

In Kucha angekommen gibt’s dann auch gleich zwei Brunnen, allerdings steht drauf, dass es kein Trinkwasser ist. Als Freetrailer ist man gerüstet und ich filtere das Brunnenwasser mit meinem Sawyer-Filter (das Teil kann ich nur empfehlen, wiegt nix und filtert alles). Manche halten das für übertrieben, aber Brunnen in Kuhdörfern sind so eine Sache und das Leben soll ja nach dem Lauf weitergehen…

Frisch gestärkt und betankt wie ein Kamel geht’s weiter. Ab jetzt zieht es sich schon ein wenig in die Länge. Die Landschaft ist schön und die Strecke an sich kurzweilig, allerdings fehlt mir aufgrund des Wetters die nötige Poesie um mir alles schönzureden. Die Einsamkeit schlägt mir aufs Gemüt und die Waldstrecken nehmen kein Ende. Ich freue mich deshalb über jedes Kaff.

Dann erreiche ich Kainsbach (45 km) und muss nochmal einen Berg rauf und den anschließend auch wieder runter um nach Förrenbach zu gelangen. Der letzte richtige Anstieg aus diesem Tal folgt sogleich und ist nochmal richtig knackig. So gesehen, kommt man von der Dramaturgie hier voll auf seine Kosten. Das Beste kommt eben zum Schluss. Ich ziehe entschlossen hoch und oben angekommen bin ordentlich platt. Hier treffe ich jetzt wieder auf Weg, den ich am Vormittag schon hergekommen bin, die Pendelstrecke ist erreicht und die letzten 8 km werden eingeläutet. Der Weg verläuft immer noch stetig nach oben und um hier zu laufen, reicht es mir dann doch nicht, also hike ich. Außerdem ist das Laub schmierig und der Untergrund aufgeweicht, schneller gehts grad nicht.

Ab dem höchsten Punkt läufts und ich quere Mittelbach, danach Waizenfeld und meistere eine letzte richtige „Kante“ (diejenigen die hier gelaufen sind, wissen was ich meine). Jetzt beginne ich meinen Wettlauf gegen die Dunkelheit, die letzten Kilometer laufe ich komplett durch. Ich will noch vor Einbruch der Dunkelheit und ohne Zuhilfenahme meiner Stirnlampe ankommen. Und nach 08:53 Stunden stehe ich in Lichtenegg im „Ziel“. Ich sag nur: Geiles Rennen.

Danke Gerhard 🙂

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