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JUNUT 2015 – Läuferfasching in Dietfurt

Die Börners haben wieder einen rausgehauen. Der JUNUT ist mittlerweile bekannter als sein Namensgeber, der Jurasteig. Jetzt haben die Dietfurter neben dem Chinesenfasching auch noch den Läuferfasching. Auch bunte Kostüme, mindestens genauso verrückt und unterwegs gibt’s Bier. Nach dem Lauf ist man mindestens genauso k.o. wie nach drei Tagen Durchfeiern. Laufend feiern sozusagen. Damit avancieren Margot und Gerhard zum Läuferfaschingsprinzenpaar (Gerhard I. und Margot I.), was Ihnen sicher auch bald die Ehrenbürgerschaft in Dietfurt einbringt. Vorausgesetzt die Regierung von Dietfurt glänzt beim nächsten internationalen JUNUT-Event nicht wieder durch kollektive Abwesenheit.

Apropos nächster JUNUT: Gerhard sagte einst zu mir, dass er den JUNUT so lange veranstaltet, bis ich ins Ziel komme. Wenn er Wort hält, findet er nächstes Jahr nochmal statt und diese Einleitung verrät vorweg, dass ich dieses Jahr wieder im Irgendwo gestrandet bin. Noch schlimmer, ich hätte nicht mal die Puste gehabt, das Schlauchboot in Matting aufzublasen. Irgendwie ist da der Wurm drin. Der JUNUT mag mich nicht und er macht’s mir auch nicht leicht, ihn zu mögen.
Was mich auch nicht mehr mag, ist übrigens mein Fotoapparat. Er hatte schon 5 Minuten vor dem Start einen Totalausfall. Ich habe mir deshalb ein paar Bilder von Bernd Spring geliehen (Danke Bernd!)

Donnerstag

Tags zuvor geht’s zur Startnummernausgabe, meine Gemahlin hilft bei der Ausgabe mit, ich bewache unterdessen unseren Hund und treffe die üblichen Verdächtigen am Stand von Micha Frenz. Micha ist unter die fahrenden Händler gegangen und verkauft allerhand nützlichen Trailkram. Abends gibt’s das Briefing in der Sporthalle. Alles beim Alten, sportliches Volk sitzt am Boden und Gerhard liest uns die Leviten. Alles wie immer gewohnt souverän. Die Börners stemmen das mittlerweile mit links, können sie sich doch auf ein routiniertes Helferteam verlassen. Bernd und Susanne aus der nächsten Verwandtschaft schultern die Technik und ebenfalls viele Stunden im Schichtdienst.

Danach zur traditionellen Pastaparty mit robust bajuwarischem Charme beim Stirzer. Wir haben wieder eine schweinegünstige Ferienwohnung ergattert und nach einer Nacht mit ausreichend Schlaf, geht’s am nächsten Morgen zum Start.

Freitag

JUNUT2015_Bernd_027Start um 09:00 in Dietfurt, dieses Mal eine Stunde früher, die Strecke ist jetzt 9km länger. Das Wetter ist sonnig, noch ist es kühl. Keine Wolke am Himmel. Während der Altmühl-Tourist jubelt, hält sich mein Enthusiasmus hierüber etwas in Grenzen. Laufen bei zu erwartender Hitze ist einfach nicht mein Ding. Ich bekomme von Uwe, der diesmal als Stuff zur Verfügung steht, noch den Rat, ich solle meinen Kopf schützen. Klarer Fall, Buff habe ich dabei. Der Startschuss fällt und los geht’s. Ich drossle das Tempo gleich zu Beginn. Gemessen an der Gesamtdistanz bringt’s nichts, bereits am Ortsausgang von Dietfurt das Ding für sich entscheiden zu wollen. Ich rechne mit 3,5 Stunden bis zum ersten VP in Riedenburg. Ich lasse mich deshalb auch gerne überholen. Wir laufen zunächst im schattigen Wald, die Sonne ist noch nicht „überm Berg“. Die Botanik hängt dieses Jahr mit ihrem Grünanstrich etwas hinterher und das Blätterdach ist noch keines. Ich mache mir seit Tagen Sorgen um meinen rechten Vorfuß, den ich in den letzten Wochen durch meine etwas strafferen Vorbereitungsepisoden ab und an schmerzhaft spüre, aber es läuft gut. Nach einer halben Stunde Laufen durch die herrliche Landschaft ist das erste Adrenalin abgebaut und ich bin im Flow. Überall zwitschern Vögel, die Landschaft ist traumhaft. Das ist übrigens das erste mal, dass ich beim JUNUT diesen Streckenabschnitt bei schönstem Wetter laufe, das hat auch was.
Bei Meihern geht’s raus aus dem Wald und über die Altmühl nach Deising und sofort wieder in den Wald. Hier geht’s erst mal ein paar Höhenmeter nach oben. Oben angekommen laufen wir durch Wald und über Wiesen. Mittendrin röhrt eine Enduro durch die Botanik. Ich würde den Fahrer am liebsten runterziehen, Begriffe wie Naturschutz und Nachhaltigkeit, sowie sein gesunder Menschenverstand sind bei dem vermutlich am Visier abgeprallt, Leute gibts…

Danach downhill runter nach Altmühlmünster, entlang an der Altmühl und wieder noch zum Schloss Obereggersberg. Es macht Spaß wie lange nicht, der Vorfuß gibt Ruhe und erneut führt der Weg runter an die Altmühl. Wir laufen am Altwasser 2km entlang, bis wir die Brücke nach Gundlfing überqueren. Und wieder geht’s hoch. Das ewige Auf und Ab erschreckt mich nicht mehr wirklich.

VP Riedenburg

JUNUT2015_Bernd_045Nach 3,5 Stunden stehe ich in Riedenburg am VP. Punktlandung. Ich trinke ausreichend, esse was, und bin nach wenigen Minuten wieder auf der Strecke. Ich bin allein, irgendwann zieht Sebastian an mir vorbei, „nur nicht zu schnell werden“, denke ich mir und lasse ihn ziehen. In der Klamm, in der Nähe von Einthal, begrüßt mich ein übergroßes, selbstgebasteltes Schild „Welcome JUNUT“. Das freut mich, wenn sonst schon niemand diese Verrückten anfeuert… Ich quere erneut die Altmühl und bei Nußhausen verläuft der Weg hoch zum Schloss Prunn. Ich bin im Flow und ziehe flott hoch und auf dem anschließenden Weg durchs Waldstück zum Felsenhäusl lasse ich es laufen. Forststraßenautobahn. Ich lege ein wenig Tempo zu, es passt gerade und die nächsten Kilometer bis zum Keltenwall laufe ich.

Den Keltenwall ziehe ich in alpiner Gangart flott hoch und laufe wenn’s passt, allerdings ist die Wegbeschaffenheit ein wenig anspruchsvoller und ich bin froh, dass wir das am helllichten Tag machen. Als ich den zum ersten Mal beim JUNUT lief sind wir hier in der Nacht durch und das war ein ziemliches Gestolper. Ich trinke regelmäßig und freue mich schon auf den VP in Kelheim, so langsam bekomme ich Hunger, die Oatsnacks kriege ich nur schwer runter.
Ich nehme gar nicht mehr wahr, dass ich dauernd laufe, das geht heute alles von selbst. Scheinbar war die Vorbereitung genau richtig. Und so kommt’s dass ich relativ schnell an der Donau stehe und den Rest bis zum VP großteils im Laufschritt mache. Wenn sich das mal nicht rächt.

VP Kelheim

Nach 50km und 7 Stunden bin ich in Kelheim am VP. Bettina, Armin, Ulrike und meine Frau stehen hier und helfen. Suppe, vegetarischer Brotaufstrich und viel trinken sind angesagt. Noch schnell die Rübe unter einen Brunnen halten und nach 20 Minuten geht’s weiter, lange Pausen verderben den Charakter.

Ich komme nach dieser Völlerei nur schwer in Gang, laufen ist mir jetzt gerade nicht möglich, der Asphalt, die Wärme und die Stadt machen mich mürbe, ich will endlich ins Grün. Nach dem Krankenhaus geht’s endlich hoch zum Goldberg und in den Kelheimer Forst. Ich komme aber dennoch nicht so richtig voran. Meine Füße sind wie Blei und ich werde kurzatmig. Außerdem versagt meine Stimme, das ist immer ein Anzeichen, dass ich mit den aktuellen Ozonwerten nicht klar komme, ich bin anfällig für sowas. Gut, da muss ich durch, spätestens in der Nacht legt sich das dann wieder, bis dahin heißt es „Quäl Dich…“ Also hike ich durch den vom letzten Orkan zerzausten Wald. Laufen ist an manchen Stellen gar nicht mehr möglich, das kommt mir gerade sehr entgegen.
Der Jurasteig führt dann wieder aus dem Wald, auf Feldwegen und geteerten Flurstraßen hike ich in Richtung Kapfelberg.

Die zwei Kirchtürme von Kapfelberg

JUNUT2015_Bernd_071Jetzt kommt der Jammerteil des Blogs: Kopfschmerz macht sich breit und bei jedem Tritt schepperts im Hirn und mir wird’s langsam schummrig und übel. „Ja was denn noch alles?“ denke ich bei mir und ich mache Pause im Schatten eines angrenzenden Waldes, trinke und erhole mich. Laufen ist gar nicht mehr drin, nur noch leichtes Wandern. Egal, ich habe ja Zeit, sehr viel sogar. Beim Weitergehen wird’s mir jetzt auch noch schwindlig und als ich vor Kapfelberg stehe, sehe ich zwei Kirchtürme statt einem (ich weiß da ist nur einer, ich bin in der Gegend groß geworden). Jetzt ist so langsam Schicht im Schacht. Als ich in der Ortsmitte am Fuß der nächsten vertikalen Herausforderung stehe, zieht es mir komplett den Stecker raus. Ich bin kurz vorm Umkippen und ich rette mich in den Schatten. Totalausfall. Spätestens jetzt ist mir klar, dass ich einen Sonnenstich habe.

Ich Depp.

Ich habe die Sonne unterschätzt und bin die ganze Strecke ohne Kopfbedeckung gelaufen (jaja, ich weiß – der Buff, aber den hatte ich gut verstaut…). Mir war nicht bewusst, dass die Strahlung schon so intensiv ist und habe es schlichtweg unterschätzt bzw. komplett ignoriert. Es war nicht zu heiß, der leichte Wind kühlte mich trügerisch, aber die Luftkühlung hat für den Zweitakter in meiner Rübe nicht ausgereicht.

Ich überlege noch, ob ich mit Schmerztabletten und einer langen Pause weiter machen soll, aber das macht man nicht, wenn man noch 3/4 der Strecke vor sich hat. Ich bin scheißenochmal vernünftig, fluche meinen gesamten bajuwarischen Schimpfwortsatz in mich rein und verzichte auf Tabletten. Mir ist schnell klar, dass ich in dem Zustand selbst nach einer längeren Pause nicht mehr schadlos weiterlaufen kann.
So schwenke ich diesmal meine weiße Fahne bereits nach 66km und 2000HM. Ein längerer Faschingsumzug mit Bewirtung, netten Leuten und ausgiebiger Katerstimmung.

Läuferischer Kehraus

Ich rufe Margot im Headquarter an und melde mich ab, meine Frau liest mich am Straßenrand auf. Ich friere und wir fahren deshalb noch nach Matting, um aus meinen Dropbag trockene und warme Klamotten zu holen. Den Samstag bin ich komplett weg und liege flach, Ruhe und viel trinken sagte mir mein Arzt. Sonntag morgen reisen wir ab, die Birne schmerzt immer noch. Mittlerweile ist alles wieder in Ordnung. Seit gestern laufe ich wieder und habe den Kopf schon wieder voll mit Flausen…

Und was lernen wir daraus? Genau! So lange ich nicht ins Ziel komme müsst ihr weiter den JUNUT laufen 🙂

Gratulation und Respekt an alle die sich das ebenfalls angetan haben, egal ob Finish oder nicht. War schön euch mal wieder (laufen) zu sehen.
Danke an Gerhard, Margot, Bernd und Susanne, sowie alle Helfer die da draußen sich die Füße in den Bauch stehen, nur um uns zu betreuen. Und natürlich Danke an meine liebe Frau.

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