UTMB – Nichts für die leichte Schulter

Das musste erst mal sacken und sitzt immer noch tief. Mein Saisonziel habe ich verletzungsbedingt nicht erreicht. Wieder eine Story die ich ungern an die große Glocke hänge, aber ich werde oft danach gefragt…

UTMB2014_51Pünktlich zum Start um 17:30 regnet es in Chamonix und nach ca 15km am höchsten Punkt des Col Checrouit angekommen, geht’s wieder runter nach St. Gervais. Die Schipiste die uns nach unten führt kenne ich nur zu gut und weiß, dass es hier nicht einfach ist. Wenn hier mal 2000 Leute bei Regen runter gelaufen sind, gibts keine Wege mehr und es wird mehr als glitschig. Viele stürzen, noch mehr fluchen, ich bin hochkonzentriert und stochere mit meinen Stöcken im Gras rum und gehe es langsam an. Dann zieht’s mir doch den Boden unter den Füßen weg, ich fange den Sturz so gut es geht mit den Stöcken ab und das ist für mein lädiertes Schultergelenk zuviel. Ein erneuter stechender Schmerz und mein Arm ist wie gelähmt. Die Finger kann ich noch bewegen, aber es fühlt sich nicht richtig an. Ich kann den Stock nicht mehr halten. Na super, ich soll damit jetzt noch 150km laufen. Jetzt erst mal runter vom Berg zum nächsten VP. Es geht nur langsam und die Menge quält sich im Nebel durch den Wald. Es ist eng und es staut sich. Ich bekomme davon nur noch wenig mit, ich bin im Gedanken zu sehr mit meinem Arm beschäftigt. Mir kommt die naive Idee, dass die Sanitäter mir sicher einen stabilisierenden Schulterverband machen können, damit ich weiter kann. Ich erreiche den Ortskern von St. Gervais, hier tobt die Menge und es ist abartig laut. Ich esse erst was und will meine Trinkflaschen auffüllen, aber ich bekomme sie nicht mehr alleine in die Halterungen. Dafür bräuchte ich zwei Hände. Ich bin komplett am Ende und mit der Situation überfordert. Ich treffe zufällig Sebastian, wir kennen uns vom Junut, er hilft mir mit der Flasche, weist mich aber drauf hin, dass die leer ist. Egal, ich bin komplett verpeilt und muss jetzt erst mal zu den Sanis. Dort angekommen schildere ich denen was los ist und die sehen sich das kurz an. Mein Schultergelenk kracht bei jeder Bewegung und einer meint kopfschüttelnd “fin” und in wenig verständlichem Englisch macht er mir klar, dass er mich nicht weiterlässt. Ich solle einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Ich werde noch entwertet und schon bin ich draußen. Es ist surreal und dennoch schmerzlich wahr.

Ich lasse mich wenig später von meiner Frau abholen, sie war gerade auf dem Weg nach Les Contamines Während ich warte, wird es wieder still in St. Gervais. Die Versorgungsstände werden abgebaut, die Party ist vorbei. Wie wahr.

Und wieder gilt: Aufstehen, Krone richten und weiter…