Junut 2014 – Tradition und Selbstdisziplin

Zum vierten Mal wird der Junut gelaufen. Davon die letzten drei Mal als wettkampforientierter Lauf. Es ist somit schon eine Tradition in Dietfurt, dass einmal im Jahr an einem Sonntag im April schlaftrunkene, unzurechnugsfähige und übelriechende Gestalten die Innenstadt unsicher machen. Die sehen aus wie Zombies, sind aber friedlich und wollen auch nicht spielen, die wollen nur ankommen und schlafen. Auch eine Tradition ist, dass Gerhard und Margot das Ganze unter Zuhilfenahme von Verwandten und Freunden, sowie vielen freiwillligen Helfern und unter Verwendnung eines enormen Freizeitkontingents stemmen und das mit Bravour, aber davon später mehr. Die Teilnehmerzahlen der Gemeldeten liegen jenseits der 100er-Marke. Es gibt dieses Jahr nur noch die für die 172er-Sprintdistanz und den 230er, das will organisert sein. Die 11 Verpflegungsposten werden von Freiwilligen, den Feuerwehren und Vereinen entlang der Strecke organisiert und mit zunehmender Distanz werden die Zeitkorridore auch an den VPs größer, d.h. in der Ecke um Holnstein wird die Nacht “durchgemacht”.
Auch eine schöne Tradition – wie ich finde – ist, dass ich den Lauf nicht finishe. Auch da ist eine bewundernswerte Konsequenz drin, aber davon später mehr. Heute ist übrigens der erste Tag, an dem ich wieder in einen normalen Schuh passe…

Donnerstag

Junut2014_01Zur Startnummernausgabe in der alten Turnhalle gibts ein paar Armlinge, einen Drecksack für den Müll, den Junutaufkleber und – einen Dropbag. Die beste Erfindung seit Bestehen des Junuts: Nur einen statt drei Dropbags: Aber der wandert mit und wird nach Matting, Schmidmühlen und Deining transportiert. Das macht das Packen wesentlich entspannter. Er ist groß genug, jede Menge Plunder unterzubringen (den man dann eh nicht braucht). Ich treffe wieder viele Freunde, Laufveteranen und Bekannte, es sind immer die Gleichen und es ist ein herzliches Meet’n Greet – auch ‘ne Tradition. Wie üblich ist jeder nicht in Form, hat schlecht oder zuwenig trainiert …  wer’s glaubt. :-). Aufgrund der großen Teilnehmerzahl findet das Briefing dieses Mal in der Turnhalle der alten Schule statt. Gerhard nordet uns nochmal richtig ein, er weiß wovon er redet. Er ist den Junut selbst oft genug gelaufen und kennt die Strecke im Schlaf (im wahrsten Sinne des Wortes). Diesmal allerdings bleiben seine Laufschuhe im Schrank und er macht sich selbst als Fahrer nützlich. Anschließend noch die Pastaparty beim “Stirzer”. Auch das ist Tradition. Ich habe so den Verdacht, dass die maximale Teilnehmerzahl für künftige Junuts dann erreicht ist, wenn beim Stirzer zur Pastaparty keiner mehr ins Lokal passt… Dann flott nach Hause, den Dropbag packen und ab in die Heia.

Freitag

Junut2014_07Das Wetter ist ideal. Es ist frisch, keine Sonne und trocken. Für den fotografierenden Leichtwandertouristen der mit Mutti und den Bälgern die Osterferien hier verbringen muss, nicht gerade großes Kino, für unseren Sport mit gepflegter Bodenhaftung hingegen ideal. Kurz vorm Start noch den Dropbag abgeben und ab zum Marktplatz. Das Medieninteresse für die Exoten ist wieder außerordentlich groß. Der Bürgermeister hält noch eine Ansprache und dann fällt der Startschuss. Wir laufen los, posen für die Medien. Es ist in diesem Jahr schon ein imposanter Pulk, der sich hier durch den Ort wälzt. Der zieht sich zwar bald auseinander, aber so richtig alleine ist man nie. Einmal überholen wir eine Gruppe Etappenwanderer gesetzteren Alters, joggen an ihnen bergauf (!) vorbei und lassen uns bejubeln, feiern und beglückwünschen. Als sie aus dem Blickfeld sind, gehen wir wieder und müssen die Bäuche nicht mehr einziehen. Posing ist alles, schließlich müssen wir unseren Sport auch gut verkaufen.
Ich laufe wieder gemeinsam mit Uwe, das passt. Wir reden oder halten die Klappe und laufen. Wir sind schnell dran, habe aber nicht das Gefühl zu überpacen. Das liegt an den äußeren Bedingungen, auch andere sind schnell dran. Die ersten 25km bis Riedenburg queren wir ein paar mal die Altmühl, laufen durch herrliche Landschaft – die Zeit vergeht im Flug. Das Frühjahr ist früher dran dieses Jahr, alles grünt und die Blätter platzen förmlich aus den Ästen. Gigantisch, der Anblick hebt die Stimmung zusätzlich.

Zur Taktik

Ja wenn ich die hätte :-). Steigungen gehen, Horizontale und Bergab laufen. Die VPs: Sagen wir so: Aus einigen Rennen und den Junuts aus den Vorjahren gelernt. Die Zeiten an den VPs reduzieren. Was ich hier vergangenes Jahr durch Trödelei und strukturfreier Struktur verbraten habe, war definitiv zuviel. Selbstdisziplin hilft mir da weiter:

1. Erst die Vorräte (Wasser, Snacks, Batterien) für unterwegs auffüllen,

2. dann evtl. Kleidungswechsel und das Equipment checken (Müll abgeben, Batterien wechseln etc.),

3. danach Essen und Trinken – und weiter.

Durch immer die gleiche Abfolge bekomme ich mehr Struktur an den VPs rein und vergesse selbst in übermüdetem Zustand nichts.

Riedenburg (km 26,6)

Junut2014_16Wir sind um 13:25 am VP in Riedenburg und somit schon mal 10 Minuten schneller als letztes Jahr. Ein Trend, der noch lange anhalten sollte. Alles auffüllen, kurz verpflegen und wieder mit Uwe raus auf die Strecke. Entlang der Altmühl geht’s im Wald hoch zur Klamm in fast alpines Terrain. Wieder gebe ich mir (wie letztes Jahr auch schon) das Versprechen, hier mal in Ruhe durchzulaufen. Auf der anderen Talseite lacht schon der Anstieg zum Schloss Prunn, darauf könnte ich echt verzichten, hilft nix, ist halt so. Runter, rüber über die Altmühl und hoch zum Schloss. Hier treffen wir auf Peter, er ist schon eine Stunde früher gestartet und ist ziemlich flott unterwegs. Danach weiter nach Essing, wieder die Altmühl queren und nach ein paar Kilometern über den Keltenwall nach Kelheim. Heute läufts, wir sind schnell und es macht tierischen Spaß. Alle 90 Minuten esse ich was und möchte die Trinkflaschen bis zum nächsten VP leer bekommen. Auch das gehört zu meiner selbst auferlegten Disziplin. Unterwegs vergesse ich oftmals Essen und Trinken. Das rächt sich bei Langdistanzen erst sehr viel später, aber dann bitter.

Kelheim (km 49,2)

Junut2014_23Wir hiken die Donau entlang, vor uns die Befreiungshalle und um 17:09 treffen wir in Kelheim am VP ein. Hier wartet meine Frau und unser Hund auf mich. dass er heute nicht mit darf wundert ihn sehr. Hier wieder mein VP-Ritual und um 17:27 sind wir wieder unterwegs. Danach gehts auf die nächste und gleichzeitig längste Etappe ohne VP in Richtung Matting. Am Kelheimer Krankenhaus vorbei und dann in den Kelheimer Forst. Ziemlich viel Wald, mein GPS spielt verrückt, das Blätterdach ist in diesem Jahr wegen des vorverlegten Frühlings schon relativ dicht und so gilt es hier Augen offenhalten und nicht immer dem Vordermann blind hinterherlaufen.

Auch mein SPOT sendet seit geraumer Zeit nichts mehr. Das ändert sich, als uns der Wald irgendwann freigibt und wir schon am Horizont Bad Abbach sehen. Jetzt noch ein paar leidige Schleifen durch Kapfelberg und Poikam, dann auf der Staufstufe über die Donau und ab in den Wald vor Bad Abbach.

Junut2014_30Im Vergleich zum Vorjahr sind wir dieses Jahr eine Stunde früher im Ortskern Bad Abbachs. Hier holen wir auch jetzt erst die Stirnlampen raus. Für die Nacht müssen wir nicht viel anziehen, es ist immer noch mild, der Mond zieht auf. Dann ziehen wir hoch in die Oberndorfer Berge Richtung Matting. Erwartungsgemäß fehlen hier die Reflektoren, aber wir verhauen uns nur mäßig. Der Mond scheint jetzt hell und es ist richtig mystisch und totenstill, am anderen Ufer der Donau leuchtet uns Gundelshausen entgegen. Ich finde das einfach nur geil. Irgendwann passierts und es war nur eine Frage der Zeit – wir laufen im Wald falsch und irren dann auf einsamen Wegen durchs Unterholz. Nach 70km in den Beinen und im Hirn kann das schon mal vorkommen. Das Navi zeigt uns zwar grob die Richtung, aber es ist schon übel, das kommt davon, wenn man nicht aufpasst.

Wir sind zwar eine Stunde früher als vergangenes Jahr hier und hätten ein dickes Zeitpolster, aber ich will nach Matting und nicht im Unterholz verenden. Uwe mahnt, dass sich das schnelle Laufen irgendwann rächt. Wir philosophieren über die Grundangst der Menschen, dass sich irgendwann immer alles rächt, wenns einem gerade zu gut geht. Hier fällt mir auch wieder Gerhards Spruch ein, auf die Frage warum er so schnell losrennt: “Was ich mal zurückgelegt habe, kann mir keiner mehr wegnehmen”. So deppert das klingt, aber es stimmt.

Matting (km 76,6)

Junut2014_31Nach einigen Schleifen im finsteren Wald gelangen wir wieder auf den original Jurasteig und treffen um 21:40 im Mattinger Feuerwehrhaus ein. Eine ganze Stunde früher als 2013. Das hebt die Stimmung, aber die Alarmglocken läuten.

Jetzt wieder Vorräte auffüllen, umziehen, Equipment checken und dann essen. Um 22:25 sind wir wieder auf der Piste und sitzen wenig später zur Überfahrt im Feuerwehrboot. Langsam wirds frisch. Die nächste Etappe bis Schönhofen verläuft durch den Wald und ist wieder “leuchtend” markiert. Wir queren die Straße nach Alling und schlagen uns weiter im Wald und sehr profiliertem Gelände bis nach Eilsbrunn durch. Hier pennt schon alles. Auf dem Höhenzug nach Schönhofen verhauen wir uns mal richtig und laufen eine Zeit lang in die falsche Richtung und büßen den Rückweg mit einigen Zusatzmetern. Ab und zu brechen andere Läufer aus dem Gebüsch, denen gings genauso, das tröstet.

Schönhofen (km 86,3)

In Schönhofen treffen wir um 00:16 ein und sind 15 Minuten später schon wieder raus. Schönhofen ist eine absolute Zeitfalle. Es ist urig dort, die Mannschaft am VP vermittelt Gemütlichkeit und Behaglichkeit. Der Hüttenwirt heizt ein wie blöd und eigentlich könnte man den Lauf hier gerne beenden, ein paar Absacker trinken und feiern. Nichts wie weg, raus in die Nacht, unter der A3 durch nach Etterzhausen und von dort in nicht enden wollenden Schleifen Richtung Pielenhofen. Mitten im Wald läuft Jörg aus der Spätstartertruppe zu uns auf, er wird das Rennen diesesmal als Erster finishen. Er hüpft mit einer Leichtigikeit durchs Unterholz, als sei er vor ein paar Minuten erst gestartet. Hammer.
Wir steuern auf die unnütze Schleife von Penk zu: Raus aus dem Wald, runter zur Naab, dann wieder hoch und wieder rein in den Wald. So langsam verlieren wir das Gefühl für Zeit und Raum. Eine zum Teil hilfreiche wie auch unbequeme Tatsache. Man läuft und läuft, es geht so dahin und man unterliegt dem Irrglauben viele Kilometer und viele Stunden unterwegs zu sein. Ein Blick aufs Navi und die Uhr erdet einen schnell wieder. Auf dieser Waldstrecke beginne ich wie vergangenes Jahr wieder zu stolpern und Erinnerungen an den verletzungsbedingten Cut werden wach. Nur jetzt die Füße heben und auf Steine achten. Nach ewig erscheinenden Kilometern auf Forsttraßen sind wir langsam aber sicher mürbe und müde. Wir wollen endlich am VP in Pielenhofen ankommen, vorher aber noch ein paar weitere zermürbende Schleifen im Wald.

Pielenhofen (km 101,2)

Junut2014_33Dann stehen wir um 03:16 am VP und um 03:58 sind wir wieder raus. Die Suppe war der Hammer, ich glaube mich überfressen zu haben… Jetzt wird’s empfindlich kalt. Zunächst laufe ich ohne Jacke, nur mit Weste und Langarmshirt. Diesen Unfug unterlasse ich bereits nach lehrreichen 500 Metern des Fröstelns und krame alle warmen Klamotten raus. In den Flussniederungen kriecht die Kälte an mir hoch und in jede Pore, sie zieht mir einiges an Kraft ab. Nebel liegt im Naabtal und uns anstatt auf den Weg zu konzentrieren, sind wir mit frieren beschäftigt: Verlaufen: Wieder legen wir eine Exrtraschleife im Ortsinneren von Pielenhofen ein.
Kaum sind wir warm und im Flow, verlassen wir den Wald und stehen wieder in Pielenhofen. Der Weg führt wirklich da raus und dann ewig an einer Straße entlang. Wer plant so was…? Irgendwann lassen wir das dann auch hinter uns. Dann müssen wir noch an einem Bauernhof mit einem Hund vorbei, der schier durchdreht. Alle zwei Minuten kommen hier Läufer und der findet keine Ruhe, er kläfft sich die Seele aus dem Leib und sein heiseres Bellen hallt durchs ganze Tal. Noch Kilometer weiter hören wir ihn. Einmal im Jahr ist für ihn der absolute Horror angesagt.
Dann absorbiert uns der Wald und ich laufe etwas trandösig dahin, ich bin müde. Uwe ist flott unterwegs, ich lasse ihn ziehen, das legt sich wieder. Mich überholt ein weiterer Läufer, der zu Uwe aufschließt. Ich sehe die beiden ca. 50m vor mir. Kann sein dass mein Hirn jetzt schon Dinge sieht, die eigentlich erst in der zweiten Nacht hätten da sein sollen, aber ich sehe vor mit definitiv drei Gestalten laufen, eine davon ohne Rucksack und Stirnlampe zwischen den beiden… Ich bin etwas beunruhigt, hätte ich in Pielenhofen doch noch einen Kaffee trinken sollen?

Wir streifen Duggendorf und steuern auf Heitzenhofen zu, dort über die Naab und ab nach Dallackenried. Es dämmert bereits und dieses Stück Weg zieht sich. Von Pielenhofen bis Dallackenried sinds angeblich nur 11,5km. Aber hier spielt mir mein übermüdetes Fahrgestell und Hirn einen Streich. Das will nicht aufhören. Wald, Wald, Wald und wir haben das Gefühl, es geht nicht voran und wir treten auf der Stelle. Dann noch Unstimmigkeiten bei der Wegewahl und das drückt nochmal auf die Stimmung.

Dallackenried (km 112,5)

Junut2014_35Nach ewig erscheinenden Kilometern verlassen wir endlich den Wald, der Aufstieg nach Dallackenried ist gestemmt und wir laufen um 06:40 am dortigen VP ein. Gerhard ist auch hier und rangiert seinen Anhänger mit Proviant im Hof. Im VP herrscht absolute Endzeitstimmung. Fast kein Platz zum Sitzen, alles belegt mit Läufern die kurz mal “Powernappen”. Ich lege mich aus Angst davor, nicht mehr hochzukommen erst gar nicht hin. Jetzt ist wieder Disziplin gefragt: Auffüllen, Equipmentcheck und jetzt was essen. Frühstück mit Kaffee, Brot, Marmelade und Schokocreme, wie wenig es doch zum Glücklichsein braucht.
Um 07:20 brechen wir auf, bis Schmidmühlen sinds noch ein paar Meter. Es ist Morgen, taghell und es wird wieder wärmer, der Kopf fühlt sich wieder frisch an. Bernd zieht mit seiner Sarja grußlos an uns vorbei, sieht schlaftrunken und gedankensversunken aus der Knabe. Ich spreche ihn kurz an und es dauert bis er wach ist. Er ist aber definitiv schneller als wir, Sarja will vermutlich heim. Der Weg führt erst durch den Wald, dann in einer Spitzkehre an Kallmünz vorbei und nach ein paar ruppigen Höhenmetern geht’s wieder entspannt ins Tal und wir laufen an der Naab entlang. Das Wetter ist gut, die Stimmung aufgrund unseres Zeitpolsters auch. Das Stimmungstief ist wie weggeblasen.

Junut2014_36Meine rechte Ferse zwickt, vermutlich eine Blase. Die wird am nächten VP behandelt. In Rohrbach queren wir die Naab und behalten diese Flusseite bis Schmidmühlen bei. Wälder, schöne und weniger schöne Wege, einsame Bauernhöfe und immer wieder herrliche Wiesen und Wälder, aus denen das Grün förmlich herausplatzt. Es riecht gut und die Vögel zwitschern was das Zeug hält. Ich möchte gerade mit nichts tauschen. Aber ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass uns das nicht alles anstrengt. Wir haben komplett auf Speedhiking umgestellt. Wir sind flott, auch bergauf. Das Training der letzten Monate zeigt Wirkung. Alle zwei Wochen einen 50er Trainingsultra zu laufen macht scheinbar Sinn. Auf einer Forststraße vor Lanzenried überholen uns die Spätstarter Micha und Achim und denen bereitet es Freude einen Läufer nach dem anderen einzusammeln. Ich könnte mir jetzt einreden sie fortan vor mir hertzutreiben, das entspräche aber nicht der Wahrheit, sie sind einfach schneller. Egal ich will nur ankommen.
Die rechte Ferse schmerzt an der Unterseite mittlerweile immer mehr und geht in ein Stechen über. Mit dem linken Fuß laufe ich normal, mit dem rechten auf dem Vorfuß.
Wir sehen bereits Schmidmühlen, aber es will einfach nicht näher kommen. Bernd erzählte mir irgendwann mal, dass er dieses Waldstück vor Schmidmühlen nicht sonderlich mag. Mir gehts genauso, ich will jetzt endlich ankommen. Die rechte Ferse entwickelt nun ein heftiges Eigenleben und tut höllisch weh. Ich bin geneigt auf der Stelle stehen zubleiben und die Blasen zu behandeln. Aber ich würde mir hier keinen Gefallen tun, außer mir eine Infektion zu holen. Also weiter. Mittlerweile schmerzt mein rechtes Knie durch meinen verschrobenen Schongang und Paralleleln zu Monty Pythons Silly Walks lassen mich unterwegs schmunzeln.

Schmidmühlen (km 135)

Endlich gelangen wir nach Schmidmühlen. Konditionell fehlt mir nichts, ich verwerfe schon vor Erreichen des VPs meine Schlaf- und Powernap-Pläne. Ich bin voll mit Adrenalin und will weiter. Um 11:20 sind wir da und entgegen meinem VP-Ritual dusche ich zuerst und kümmere mich um das “Bläschen”. Es sind zwei. Auf der Unterseite jeder Ferse eine Blase (das muss man mal hinbekommen), die größer sind als das größte Blasenpflaster. Ich bekomme die gar nicht richtig zugeklebt. Die gehen tief ins Fleisch. Das hatte ich noch nie. Ich trage Zehensocken und eine Laufübersocke. Letztere ist mir beim Laufen unmerklich reingerutscht und ich lief vermutlich die ganze Zeit auf einem Wulst. (Memo an mich: Schmipf-Mail an einen deutschen Markensockenhersteller schreiben und Shitstorm initiieren)

Ich klebe drauf was geht, komme aber jetzt in keinen Schuh mehr rein. In meinen Raptor zwinge ich mich mit Gewalt rein, kann aber nur auf den Zehenspitzen laufen. Und das Knie schmerzt empfindlich, egal wie ich gehe. Am Knie hatte ich verletzungsbedingt den ganzen Winter Probleme, die jetzt endlich weg waren und ich will das nicht schon wieder und schon gar nicht während der Saison. Ich habe noch so viel vor in diesem Jahr und möchte noch jede Menge trainieren und laufen. Eine verletzungsbedingte Pause mit Regeneration und Aufbautraining kann ich jetzt nicht gebrauchen. Gerhard bietet mir noch seine LaSportivas ein paar Nummern größer an, aber abgesehen davon, dass ich sie durch mein Wundsekret  der Unbrauchbarkeit zuführe, macht das auch keinen großen Sinn. Ich sehne mir die FiveFingers herbei. An alles habe ich gedacht, nur daran nicht. Egal, es ist wie es ist. Ich melde mich schweren Herzens ab. Auf der großen Liste im Office wird mein Name mit rotem Stift und Lineal durchgestrichen, das tut schon weh…

Uwe kanns gar nicht glauben, er läuft noch bis KM 172 weiter und finisht dort die Sprintdistanz. Ich laufe fortan mit Badeschlappen auf Zehenspitzen durch Dietfurt.

Lob

Ich habe mich im Bericht mit Lob zurückgehalten, sonst wäre er gar nicht mehr lesbar. Deshalb jetzt mal geballt: Der Junut auf dem Weg zur professionellen Großveranstaltung. Da stimmt mittlerweile alles. Unglaublich was die Börners da gestemmt haben und an was alles gedacht wurde. Deshalb mal meinen ausdrücklichen Dank für dieses Erlebnis!

Einen weiteren großen Dank ans Staff-Team und an alle Vereine und Feuerwehren. Ich hatte kein einziges mal den Eindruck, dass hier nur jemand seinen Job macht. Jeder sieht seinen VP als seine Aufgabe und jeder geht darin auf. Da ist auch die Begeisterung spürbar. Ich wurde so oft gefragt, ob ich noch etwas benötige, ob alles ok sei oder einfach nur ein kurzer Smalltalk, soweit das mit einem übermüdeten Läufer noch möglich war. Und man darf nicht vergessen, das sind keine Ultra-Läufer (außer Betty und Armin). Das ist eine vollkommen fremde Szene für die. Sie können nur kopfschüttelnd anerkennen was wir uns da antun. Aber sie helfen uns mit Ihren durchwegs freundlichen Gesten mehr als sie selbst ahnen.

Danke!

PS: Wo bitte gehts zum nächsten Junut?

Bilder

Sorry für den Zeitstempel in den Fotos, meine Kamera hatte eigenmächtig einen Reset durchgeführt und fortan diesen Unsinn verzapft (Memo an mich: Schimpfmail an den Kamerahersteller schreiben)