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Trainingsultra Aalener 50er

Aalen50Die Älteren unter euch (machen wir uns nichts vor – das ist die Mehrzahl der Leser meines Blogs) – erinneren sich vielleicht noch an Pink Floyds Bühnenshow in den 70ern mit dem riesigen aufgeblasenen Schwein, das über der Bühne schwebte. Dieses Bild kam mir spontan, als ich die für heute geplante Langstrecke in Angriff nahm. Nur dass die ominöse Sau seit Tagen bei uns über der Ostalb hängt und bei schönstem Wetter ihren Darm in einem Ruck über uns entleert hat. Es stinkt erbärmlich und es reicht einfach schon vor die Tür zu gehen, um später selbst nach Schwein zu riechen. Die Sau hängt natürlich nur sinnbildlich über uns. Den Gestank haben wir der Spezies Agraris Totalis (= der Bauer) zu verdanken, die diesen Sud vermutlich seit einem halben Jahr in Eichenfässern zur Reife gebracht hat und jetzt bei schönstem Wetter die Mitmenschen am Gär-Ergebnis teilhaben lassen. Ich sehne den nächsten Regen herbei, damit es die Brühe endlich wegspült… Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Landkind und mit Bauernhöfen groß geworden, aber das hier spottet jeder Beschreibung.

Worum gings eigentlich? Achja, ums Laufen. Eigentlich stünde diese Wochenende Rouffach im Elsaß auf dem Plan, aber die 300km-Anreise dorthin und das Knallerwetter hier im Ländle machen es mir leicht, einen entspannten 50er mit einigen Höhenmetern vor der Haustür zu laufen. Meine längeren Trainingsläufe absolviere ich neuerdings Freitags nach Dienstschluss (das Wort ¨Afterwork¨ passt auch zu dem Thema mit der Sau ganz gut…). Vor zwei Wochen bin ich nachts im Faschingstrubel einen 50km-Lauf (5-Summits) gelaufen und dieses mal möchte ich eine Schleife rund um Aalen anpacken. Das Besondere daran: Nach 2 Stunden laufen wirds finster, Nachtlauf im Wald will trainiert sein – besonders im Hinblick auf die kommenden Projekte und es macht zudem tierisch Spaß. Die Strecke: Mögglingen – Lautern – Essingen – Unterkochen auf dem HW4 nach Oberalfingen – Hüttlingen – Affalterried – Mögglingen. 51km, die erste Hälfte davon Trail und Wald, die zweite freie Fläche, Feldwege und Straßen. Ich wähle das absichtlich so, da ich mich Nachts trotz Navi ungern in unbekanntem Terrain durchschlagen möchte. Die Route habe ich zuvor genau geplant und aufs Navi übertragen.

Los gehts am Freitag Abend, Jack läuft die ersten Kilometer mit und findet es immer spannend wenn es für ihn einen neuen Streckenabschnitt zu entdecken gibt. Abgesehen davon, dass ich erst mal eine halbe Stunde durch die Jauche laufen muss, ists klasse zu laufen. Ab Essingen darf er mit Frauchen und dem Auto nach Hause und bei mir gehts dann richtig los. Ab durch den Wald auf Forstwegen und zerfurchten Trails nach Unterkochen. Ziel ist, bis dorthin ohne Stirnlampe zu laufen. Der Mond leuchtet mittlerweile so hell, dass sich das ohnehin erübrigt. In Unterkochen mache ich kurz Pause, Kalorien zuführen und fertig machen für die Nacht. Anders gesagt, Jacke und Handschuhe rausholen, Essen und Trinken im Weitergehen, nur keine Zeit verlieren. Die Temperatur geht schlagartig runter, wir haben trotz der täglichen Frühlingssonne und -temperaturen immer noch Winter. Dann weiter zum Kocherursprung und hoch zum HW4 auf Forststraßen weiter. Hier kann ich Tempo und somit Strecke machen, verhaue mich aber ein paar Mal an einigen Wegespinnen und lege noch ein paar Zusatzmeter ein.

Es ist einsam, sehr einsam. Der Mond wirft lange fahle Schatten der laublosen Äste auf die Wege und manchesmal bilde ich mir ein, dass sie sich bewegen. Hier laufe ich seit einer Stunde alleine im Dunkeln, das heißt auch mich meinen Ängsten zu stellen. Die als Kind bereits eingetrichterte Grundangst ist allgegenwärtig und schlummert im Unbewussten: Der Wald ist böse, da sind die Räuber, Hexen, Zwerge, Hänsel und Gretel, der Wolf… Alles Unsinn, die einzige reale Gefahr wären Wildschweine (wobei wir wieder beim Thema ‚Sau‘ wären). Also, eigentlich kann nix passieren, andererseits, wer ist so doof und wartet nachts im tiefsten Wald auf einen verschwitzten und verdreckten Kilometersammler, um dann 5 Euro Taschengeld zu ergattern :-). Die Kohle brauche ich übrigens für meinen Zwischenstopp, den ich dann auch wie geplant erreiche: In Oberalfingen nach ca. 28km wartet ein McD auf mich. Ich fülle hier die Trinkflaschen auf und gönne mir eine Portion Pommes mit viel Salz und eine Apfelschorle. Soviel zur Selbstversorgung. Ernährungsexperten werden die Hände über den Kopf zusammenschlagen, aber die laufen auch solche Strecken nicht, schon gar nicht nachts.

Weiter gehts, über mir ein sternenklarer Himmel und der Mond leuchtet die ganze Landschaft aus. In den Talsenken ists grausam kalt und windig, es dauert, bis mir wieder warm wird. Ich durchquere Hüttlingen und sehe überall nette Gasthöfe und Menschen, die sich im Warmen die Wampe vollschlagen. Ich könnte mich jetzt auch dazu verleiten lassen, mich da einfach reinzusetzen und meine Gattin bitten, mich abzuholen. Solche Gedanken sind ein erstes Anzeichen dafür, dass ich müde werde. Die ebenen Wege und Straßen strengen an und ab jetzt ists wieder Kopfsache. Auf dem Weg nach Affalterried kann ich die herrliche Aussicht nach Aalen ins Tal hinab genießen, das lenkt ab. Unten liegt hellerleuchtet die Stadt und außenrum werden die Berge der Ostalb vom Mond in ein mystisches Licht getaucht und darüber leuchten die Sterne – perfekt. Ich trotte weiter, muss dann einen Batterie-Break machen, das Navi hat keinen Strom mehr. Dann kann ich die Heimat schon wieder riechen (Ich sehe die Sau schon am Horizont schweben). Die Gegend wird wieder vertrauter und ich treffe nach 7 Stunden zuhause ein. Fazit: Kann ich nur empfehlen, lauft Abends los – das schärft die Sinne :-).

Link zur Strecke bei gpsies.com

 

3 Kommentare

  1. Torsten

    Jaja natürlich.
    Die Gefahr bestand darin, mit meiner Stirnlampe verwechselt und von einem im romantischen Mondlicht ansitzenden Jäger erschosssen zu werden.
    Ich wußte schon immer, dass ich einem leuchtenden Hirsch extrem ähnlich sehe!

  2. Torsten

    Hey,
    Ich war gestern Abend auch noch unterwegs und habe mit prompt eine försterliche Belehrung eingefangen („Wissen Sie eigentlich, wie gefährlich das ist, was Sie da machen?“). Ich hoffe, es heilt bald wieder…

    LG und bis bald beim JUNUT

    Torsten

    1. trailmaxx

      🙂 – Hat er denn gesagt, was daran gefährlich sei? Das würde mich ja schon mal aus des Försters Sicht interessieren…

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