Schwabacher-Wärme-Ultra 2014 (SWU)

Zwei wohlgenährte Nordic-Walkerinnen kommen mir entgegen und am Vorbeigehen glaube ich die Worte “Max – Du Weichei” zu vernehmen. Die andere zischelt “Die Gemüselasagne kannst Du knicken”. Kopfschüttelnd ziehen beide weiter. Harte Worte.

5 Joar, horch amal!

SWU2014_02Es ist 2014 und der SWU feiert sein 5-jähriges Beläufnis. Ich will eigentlich keinen Laufbericht mehr drüber schreiben, es ist alles gesagt. Ich bin zum 4. Mal dabei. Es ist auch mittlerweile alles fotografiert, auch bei jedem Wetter. Ich kenne die Strecke mittlerweile und könnte sie mit ein paar Ausnahmen aus dem Kopf heraus laufen. Wäre dieses mal nicht was anders als sonst. Am Abend zuvor hängt die Familie um mich rum bereits in den Seilen und ich spüre in mir ein leichtes Krankheitsgefühl aufsteigen, ich ignoriere das bewusst, ich will laufen. Mit einer Strecke von ca. 56km ist der SWU ja eher in der Kategorie Hausfrauendistanz angesiedelt – gemessen an dem, was die meisten sonst an Strecken zurücklegen. Das ist in jedem Fall zu schaffen.

Gerhard lud im November per E-Mail ein. Die Anmeldung muss beim SWU aus dem Rückenmark erfolgen, anders ist ein Startplatz nicht zu haben. Wer zu lange wartet, läuft nicht mit.
Gerhard hat diesmal die Strecke auffrisiert und ein paar Trailvarianten eingebaut, was die Strecke bis zum ersten VP und auch insgesamt länger und reizvoller machen soll. Margot und Susanne sorgen fürs Catering an festen und strategisch günstig gelegenen Punkten, Vier an der Zahl. Der SWU ist für die meisten Teilnehmenden der erste richtige Ultralauf im neuen Jahr und quasi die Morgenerektion der Trailrunningsaison.

Start und Ziel sind wieder im Fitnesscenter CityAktiv in Schwabach, hier können wir wieder Klamotten deponieren und uns nach vollbrachtem Tagwerk am Abend duschen. Gerhard hat wieder beim Koch ein paar Kilo Gemüselasagne geordert. Planung Orga und Durchführung wieder auf höchstem Niveau. Gleich mal Vorab meinen Dank an Gerhard, Margot und Susanne! Am Morgen treffe ich wieder viele bekannte Gesichter, immer die gleichen Verdächtigen, die partout keine Ruhe geben wollen.

Start

SWU2014_06Um 09:30 starten ca.10 Läufer und -innen, die den Lauf etwas relaxter angehen möchten und um 10Uhr geht’s für die restlichen 30 Leute und Hunde auf die Piste. Das Wetter ist frühlingshaft warm, kein Schnee,, dafür alles aufgeweicht. Wenn ich an die Flussauen und Wiesen denke, die wir zu fortgeschrittener Stunde erreichen werden, wäre die Bezeichnung Sumpf-und-Wasser-Ultra auch passend. Zuweilen scheint sogar die Sonne. Alle haben jetzt noch Luft und Kraft und reden unentwegt, die Stimmung ist klasse. Die Truppe zieht reltiv flott los und schnell zieht sich das Ganze wieder auseinander. Ich laufe permanent hinterher und trödle rum, fotografiere und schau mir Dinge an. Die erste Etappe bis Kammerstein ist 13km lang und verläuft auf Waldwegen und Forststraßen. Lockeres Einlaufen und dann biegt Gerhard ab und verlässt die gewohnte Strecke. Wir umlaufen Ungerthal in einer Schleife und hier gibts traumhafte Trails durch felisges Terrain mit viel Hoch und Runter. Ich frage mich, warum wir das jetzt erst laufen und nicht schon die Jahre vorher. Vielleicht hatte Gerhard keine Genehmigung der fränkischen Forstbehörde….

SWU2014_15Die Felsen hier sind schon imposant und ich kann ein paar Umlenkerhaken von Freikletterern erspähen. Ich verweile ein wenig, die Meute macht so einen Lärm, die finde ich in jedem Fall wieder. Denkste. Weg sind sie, ich hab sie verloren und laufe hektisch los. Ich merke nach ca. einem Kilometer, dass ich falsch sein muss, krame mein Navi raus und warte eine Ewigkeit auf Empfang von oben. Danach wird mir bewusst, dass ich einen ordentlichen Schnitzer gelaufen bin und muss zurück. Max allein im Wald. Ich bin schnell wieder auf der Originalstrecke und treffe beim VP in Kammerstein wieder auf die Truppe, die brechen gerade auf. Ist mir ganz Recht so, diese Rumsteherei kühlt einen nur aus. Schnell was futtern und trinken, Flasche auffüllen, mehr braucht’s nicht. Dann gehts ins 12km entfernte Abenberg, ich bin im Flow. Allerdings sind mir die an der Spitze zu schnell, oder bin ich zu langsam? Sie laufen einen 5er Schnitt und das wäre Streckenrekord, wenns so weitergeht. Ich nehme in jedem Fall Gas raus. Ich habs Navi und komme in jedem Fall an. Mit zunehmender Dauer läufts bei mir immer unrunder und ich fühle mich einfach nicht wohl. Werde ich krank und hat der Keim gesiegt? Ich mache ein wenig langsamer, die einzige Sorge die ich habe ist, dass Margot und Susanne sich mit der Verpflegung verdrücken, bevor ich da bin.
Die Strecke ist traumhaft, aber es ist mir zu warm für diese Jahreszeit und ich bereue schon, die Winterklamotten angezogen zu haben.

SWU2014_31Dann erreichen wir nach 25km Abenberg. Diesmal dürfen wir hoch zur Burg, vergangenes Jahr waren wir zu langsam. Kurz die Aussicht genießen, Fotos machen und ab zur Tränke. Margot empfängt uns lautstark wie Helden. Ich beginne zu frösteln – und das bei den Temperaturen. Wenn ich den Zeitplan so mit den Vorjahren vergleiche, sind wir dieses Jahr in jedem Fall flotter dran. Es ist nicht alleine mein desolater Zustand, wir sind wirklich schneller. Mit zunehmender Strecke wirds für mich zur Qual und ich beschließe, dass ich mit der langsamen Truppe mitlaufe, sobald wir zu ihr aufschließen. Das geschieht dann auch irgendwo im Wald, hier laufe ich mit Jörg, Torsten und Peter bis nach Büchenbach. Unterwegs hauts mir ein paar mal ordentlich die Sicherungen raus und ich muss stehenbleiben und manchmal Gehpausen einlegen. Mein Kopf wummert. Na toll, wieder ein Jammerbericht, nix mit selbstbeweihräuchernden Heldentaten, die müsst ihr woanders lesen.

SWU2014_48Am VP in Büchenbach (KM37) fasse ich den Entschluss auszusteigen. Ich melde mich beim fassunsgslosen Gerhard ab und spontane Angebote zum Bahnhof gefahren zu werden, lehne ich im Hinblick auf mein verdrecktes Äußeres und aus Rücksicht auf den Wiederverkaufswert des Autos ab.
Aber mit der Bahn zum Ausgangspunkt zurückzufahren wäre angenehm. Ich leihe mir Geld von Torsten. Normalerweise habe ich immer Geld dabei. Aber beim SWU habe ich nicht damit gerechnet, unterwegs welches zu brauchen. Wir starten wieder und nach ca. 2km verabschiede ich mich von der kleinen Truppe. Sie verschwinden im Wald und ich trotte in Richtung Bahnhof. Mir gehts nicht gut, aber ich bedauere schon nach den ersten Metern diese Entscheidung. Dann kommen mir die zwei eingangs erwähnten Nordic-Walkerinnen entgegen und mit einem “Max du läufst das jetzt fertig” drehe ich um und eile der Truppe hinterher. Das hat was mit Selbstachtung zu tun. Ich würde mich sonst wohin beißen, wenn ich das neue Jahr schon mit einem DNF beginne.

Jetzt aber los

Noch während meiner “Aufholjagd” bin ich froh über die getroffenene Entscheidung und beginne locker zu traben und schließe nach und nach auf die zuletzt verlassene Truppe auf. Groß ist die Überaschung und ich gebe Torsten das Geld wieder, das hat für mich was Symbolisches. Ab jetzt läuft’s wieder einigermaßen, langsam aber gleichmäßig. Wir treffen am letzten VP in Penzendorf in Börners Residenz ein, die schnelle Truppe verlässt den VP gerade. Dann erst mal heiße Suppe und was essen. Trinkvoräte auffüllen und gleich weiter, bevor ich wieder auf dumme Gedanken komme. Mein Kopf brummt, ich fröstle, aber es geht vorwärts. Das letzte Stück laufen wir immer schon in der Dämmerung und das verleiht diesen Trails etwas Mystisches. Allmählich nähern wir uns der Zivilisation und erreichen schließlich das Zentrum von Schwabach. Jedes Mal wieder ein schönes Gefühl hier zu sein, die Strecke hinter sich zu haben und nach 2km ins Ziel zu laufen.
Jetzt noch durch den Stadtpark, den Schaulustigen was bieten und dann treffen wir um 17:30 und somit 10 Minuten früher (!) als vergangenes Jahr im CityAktiv ein. Als bekenndener Warmduscher tut das heiße Wasser richtig gut und die Gemüselasagne in geselliger Runde ist vom Feinsten.

Fazit:

Was soll ich noch sagen. Alles wieder super – außer meinem Gesundheitszustand. Meinen Dank an Gerhard, Margot, Susanne und die vielen Helfer, die Ihre Garagen und Zeit opfern und sich das jedes Jahr erneut antun. Wenigstens musstet Ihr nicht frieren. Nochmals vielen Dank! Aber eine Anregung hätte ich auch: Dass ich nicht schneller konnte, dafür kann keiner was, aber ich hätte künftig schon den Wunsch, dass es insgesamt wieder ein homogenerer Gruppenlauf wird. Dazu müssten die Langsamen etwas schneller, die Schnellen etwas langsamer laufen und die Kranken erst gar nicht starten. 🙂