Wandertag – Donauwörth-Homerun

20130608_17Wieder so eine Schnapsidee: Tags zuvor habe ich den Einfall, dass ich spontan mit dem Zug nach Donauwörth fahren könnte und von dort aus nach Hause laufe. Das sind 70km und ca.1000 vertikale Meter. Das Wetter soll gut werden und ich habe keinen Zweifel, das zu schaffen. Allerdings haben wir früh abends einen privaten Termin und ich möchte dort zeitig, geduscht und in vorzeigbarem Zustand vorhanden sein.

Ich lasse BaseCamp die Route planen, es sind einige Asphaltanteile dabei, aber ich habe jetzt nicht  die Zeit, mir noch groß irgendwelche einzigartigen Trailpassagen rauszuleiern. Egal, ich will ja nur Strecke machen und habe mir in regelmäßigen Abständen die ortsansässigen Lebensmitteldiscounter als Versorgungsposten auserkoren. Es ist Samstag und die Öffnungszeiten garantieren somit ein verpflegtes Durchkommen.

Ich wäre ja gerne früh am Morgen gestartet, aber die frühest mögliche Zugverbindung lässt mich erst um 08:45 in Donauwörth stehen. 2-3 Stunden früher wäre optimal gewesen, es sollte heiß werden. Allerdings habe ich übersehen, dass ich auf der anderen Seite des Bahnhofes aussteige, als ursprünglich geplant und so muss ich erst mal eine Brücke über die Gleise finden, was schon mal am Start mit zwei Zusatzkilometern zu Buche schlägt und zusätzlich was vom Zeitkonto raubt.

Es geht los. Raus aus Donauwörth, auf Asphalt dem ersten Wald entgegen, durchgängig laufe ich auf Forststraßen und komme flott voran. Mein Rucksack ist aufgrund der Getränkevorräte zu schwer, um flotter laufen zu können, so schlappe ich eben im lockeren Laufschritt dahin. Ich erreiche Bissingen und somit meine erste “Versorgungsstation”. Ich versorge mich mit Getränken, hatte aber nicht auf dem Schirm, dass heute Samstag ist und ich mich in einer nicht enden wollenden Schlange von Großeinkäufern einreihen muss. Draußen fülle ich neben mir alles an Behältern auf und bin wieder auf der Piste.

Leider laufe ich einige Kilometer an der Hauptstraße entlang und das ist alles andere als lustig. Das kommt davon, wenn man die Streckenplanung nicht selber fein säuberlich vorbereitet. Über mir knallt die Sonne runter und mein Sonnenschutz wird nicht lange halten.

20130608_09Ich erreiche nach endlosen Kilometern Amerdingen, ein wirklich nettes Kaff und gelange wenig später in den angrenzenden kühlenden Wald. Meine GPS-Route schickt mich geradeaus hindurch, aber da ist kein Weg mehr. Na super. Wenn ich genau hinsehe ist da zwar einer, aber der ist seit Jahrzehnten zugewachsen. Ich laufe erst rechtsrum und der Weg endet, dann kehre ich um und versuche es links, dann geradeaus, aber alles endet irgendwo und dann entschließe ich mich nach Kompass zu laufen, geradewegs durchs Unterholz und Gestrüpp. Das kostet Zeit. Ich kann ein paar beißwütige Zecken abstreifen und irre durchs Gehölz. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, ich komme nicht vom Fleck. Ich laufe auf der verzweifelten Suche nach einem Weg mehrfach im Kreis. Dann sehe ich Licht am Ende des Dickichts (Tunnels…) und sehe den Weg 5 Meter vor mir, aber komme nicht hin, da eine Dornenhecke ein Durchkommen unmöglich macht.  Und da ich kein Prinz bin und mir mit dem Schwert einen Weg dort hindurch bahnen könnte, laufe ich an ihr entlang und hoffe auf ein Schlupfloch, aber es ist aussichtslos. Ich bin äußerlich zerkratzt und innerlich zerknirscht als ich in der Nähe eine Motorsäge höre. An der muss auch ein Mensch dranhängen, von alleine sägt die nicht. Und wenn derjenige in den Wald rein gekommen ist, gibt es auch einen Weg raus. “A Wndrr” begrüßt er mich in gröbsten schwäbischen Slang, nachdem er mich ursprünglich für einen Wilderer hielt. Ich erläutere ihm mein Ansinnen und er zeigt mir den Weg nach “draußen”, kauft mir aber die Geschichte mit meiner heutigen Gesamtstrecke bis zum Schluss nicht ganz ab. Nun läufts wieder und ich komme wieder voran. Das hat mich jetzt locker 45 Minuten und unnötige Zusatzkilometer gekostet, die hole ich so schnell nicht mehr auf.

20130608_20Ich gelange über Felder und verschlungenen Pfaden nach Neresheim und somit zu meiner nächsten Verpflegungsstelle. Hier das gleiche Spiel, nur härter: Vor mir eine Schlange an der Kasse und eine Mutter mit Kleinkind, welches mit Engelsgeduld aus seinem Kinder-Einkaufswagen unter ständig bestärkender Anleitung der Mutter und mit den Worten “ich will selber”, verzweifelt versucht, die teilweise zu schweren Lebensmittel auf das zu hohe Förderband der Kasse zu wuchten. Das dauert. Nett anzusehen und pädagogisch sicherlich wertvoll – wenn man nicht noch 35km laufen muss und sonst keinen Zeitdruck hat. Ich bin geneigt mit anzupacken, nur dass was vorwärts geht… Hier verliere ich wirklich wieder enorm Zeit, das hatte ich nicht eingeplant.

Draußen wird erst mal aufgefüllt und ich habe Getränke für eine ganze Kompanie dabei. Das ist auch notwendig, es ist knallheiß und die nächsten 6 Kilometer bis zum kühlenden Wald erstrecken sich auf reinem Asphalt und leicht ansteigend. Das zieht sich und ich habe das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen. Ich walke. Dann kommt endlich der Wald und ich bin wieder Mensch. Ich unterquere die A7, laufe durch den Ort Niesitz und dann fast im Downhill nach Oberkochen. Hier nehme ich wieder Verpflegung auf, der Getränkevorrat ist aufgebraucht.

Ich laufe noch ein Stück durch den Ort und der unvermeidliche Zeit-Kassensturz steht an. Ich werde es nach meinen Unterholz- und Einkaufs-Eskapaden nicht mehr rechtzeitig schaffen. Ich kehre um, lasse es für heute gut sein und entscheide mich, den Zug zu nehmen. 60km/1000HM und ca. 9 Stunden unterwegs.

Das reicht auch.