Ostermarsch

Noch vergangenes Wochenende hatte ich nach meiner 70-Kilometer-Standortbestmmung meiner Frau gegenüber geäußert, dass dies bis zum JUNUT der letzte lange Lauf sein würde. Ostern kam und ich konnte irgendwie nicht still sitzen und werde wortbrüchig. Spontanexpedition zum Ipf nach Bopfingen mit Gipfelsturm und anschließender Rückfahrt im Zug. Gesagt getan. Am Ostermontag stehe ich um 05:45 auf und bin wenig später auf dem Weg. Es ist mit -5 Grad immer noch saukalt, der Winter will einfach nicht gehen und der Wind beißt sich ins Gesicht. Wärmer wäre auch nichts, da schwitzt man nur. Ärgerlich nur, dass mir nach 10km die Trinkflaschenventile einfrieren. Zum Glück kann man die Dinger aufschrauben, aber das Gesöff ist widerlich kalt.

Ich laufe die Strecke: Mögglingen – Essingen – Aalen – Kocherursprung – dem HW4 folgend nach Hülen – Aufhausen und Bopfingen (Ipf). Das sind ca. 45km, hier der Track bei gpsies.

Es hat in den oberen Lagen bis zu 20cm Schnee und der ist steinhart gefroren. Mein Plan ist, die Strecke unter 6 Stunden zu machen (schließlich will ich zum Kaffee wieder zuhause sein), aber es wird hart. Der HW4 besteht großteils aus Forststraßen und die ziehen sich erbarmungslos hin oder es sind Singletrails, auf denen bisher keiner den Schnee niedergetrampelt hat und ich arbeite mich durchs Eis, das dauert. Schnell ist anders. Dank meiner Poles komme ich dennoch flotter voran als gedacht. Ich laufe an der Kapfenburg vorbei, weiter durch den Wald nach Aufhausen und gelange schließlich nach einem letzten knackigen Anstieg und einem sattem Downhill nach Bopfingen, um nochmal die letzten 220 Höhenmeter zum Ipf hoch zu steigen.

Der Ipf ist ein Zeugenberg, die Kelten trieben hier bereits ihr Unwesen und dieser eigentümliche Erdhaufen hat was Mystisches an sich. Bin ich früher oft dran vorbeigefahren, heute ist er fällig. Der Aufstieg hat schon fast was alpines. Es führt kein richtiger Weg hoch, jeder latscht hier irgendwie rauf – schade eigentlich.  Der Berg ist eine einzige 45 Grad-Rampe und wenn man den 10 mal hintereinander macht, wäre das perfektes Höhentraining…

Oben komme noch unter 6 Stunden an (na also, geht doch) an und bekomme nochmal die geballte Ladung Wind und Kälte um die Ohren, die Sonne will nicht so recht raus. Ich laufe einmal auf dem Plateau im Kreis und genieße die Aussicht in jede Himmelsrichtung. Danach nichts wie runter und ab zum Zug, zu Kaffee und Kuchen.

Fazit: Der HW4 ist stellenweise ziemlich fade, die Trails im Sommer sicherlich klasse und auf dem Ipf stand ich nicht das letzte Mal.