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1. Schönbuch Ultratrail 2012 (100 Meilen)

Eigentlich hatte ich das Jahr 2012 aus des Läufers Sicht schon komplett abgeschrieben. Jetzt noch ein paar gemütlichere Verdauungsläufe im 50-70 km Bereich um dann zum Jahresende beim Verzehr der durch Tränen aufgeweichten Lebkuchen auf ein desaströses Laufjahr zurück zu blicken. Desaströs in Bezug auf meine größeren Projekte:
Alb-Ammersee, Junut, UTMB und Irontrail habe entweder ich oder wurden seitens der Veranstalter abgebrochen. Irgendwie hatte auch Petrus ständig seine Finger mit drin. Über Facebook erfahre ich relativ kurzfristig vom Schönbucher Ultra-Trail. Nie gehört. Ist auch der erste seiner Art. Die Strecke verläuft im Naturpark Schönbuch und umrundet ihn einmal komplett. Die Website ist relativ schlicht, aber enthält auf einen Blick mehr Informationen, als die mancher Großveranstaltungen und: In der Starterliste ist noch ein Platz frei. Maximal 25 dürfen es sein – ein Zeichen. Ich frage bei Andreas Löffler, dem Veranstalter per Mail an, ob noch was geht und bis ich mich versehe, stehe ich auf der Starterliste. Er schickt mir noch eine Menge an Infos und einen GPS-Track. Nahezu alle Starter haben ein beeindruckendes Vorstrafenregister bei der DUV und das brauchts auch bei 160 km und ca. 3700 Höhenmeter. Für mich ist das auch eine Premiere, da ich zum ersten Mal einen 100-Meiler laufe – wurde echt Zeit. Heutzutage ists ja schon peinlich weniger zu laufen. Ständig die nervigen Fragen im Supermarkt. Das Startgeld von 42 € ist extrem günstig für eine Veranstaltung dieser Größenordnung und ich erwarte mir nicht zu viel, dennoch sind aber ein T-Shirt, Pastaparty, diese ganzen Annehmlichkeiten entlang der Strecke mit der Verpflegung inklusive und 4 UTMB-Punkte gibts obendrein. Ich mag diese Art von Veranstaltungen. Klein, überschaubar, familiär und leise –  ohne großen Trubel.

Am Freitagabend vor dem Start findet im Sportheim von Dettenhausen das Briefing statt. Hier treffe ich wieder eine Menge Lauffreunde und lerne neue nette Leute kennen. Andreas wirft mit einem Beamer die Karte an die Wand und wir gehen die komplette 160 km Strecke durch. Er weist immer auf ein paar besondere Wegpunkte hin (z.B. „bei Kilometer XX geht’s scharf links weg“ – aha). Ich kann mir das alles gar nicht merken, zumal ich in diesem Terrain ohnehin komplett fremd bin. Außerdem Wald ist Wald. Es hat was von Hänsel und Gretel, nur ohne Gretel. Wir erhalten laminierte Startnummern und eine farbige DIN A3 Karte. Zusammen mit dem GPS-Track sollte nichts mehr schief gehen. Zudem wäre es auch noch möglich ein Trackersystem umsonst zu testen, damit die Außenwelt den Lauf mitverfolgen kann. Aber die Akkudauer übersteht vermutlich gerade mal die ersten 2 VPs. Ich bevorzuge meinen Spot als bewährtes Lebenszeichen zur Außenwelt. Andreas spricht zwar von Markierungen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei so einer kleinen Veranstaltung und über diese Streckenlänge funktioniert. Dennoch werden wir ermahnt, ständig die Augen danach offen zu halten. Während des ganzen Abends wird mir  hier der familiäre Charakter dieser Veranstaltung bewusst. Andreas hat hier die komplette Familie und seinen Freundeskreis eingespannt und die haben auch alle dieses Leuchten in den Augen. Schlussendlich lässt sich das Streckenbriefing in Andreas‘ Schlusssatz ganz gut zusammenfassen: „Egal, irgendwie findet ihr die Strecke schon…“. Auf geht’s zu den Nudeln.

Am nächsten Morgen, gibts noch kostenfreies Frühstück, dazu einen lecker Cappuccino und die Welt ist in Ordnung. Das Wetter ist gut, es ist ziemlich frisch und zum Teil hat es Rauhreif auf den Wiesen, aber die Sonne kommt raus und bleibt uns tagsüber erhalten. In der Nacht werden zwar leichte Regenschauer erwartet, aber bis dahin ist es noch lang und wer weiß, was bis dahin noch alles passiert.
Um 8:00 Uhr schickt uns Andreas relativ unspektakulär auf die Strecke und ab geht’s ins Gemüse. Wir laufen sofort auf Singletrails durch den Wald und von da an viel auf Feldwegen, Forststraßen und immer wieder mit unverminderter Härte kreuz und quer durchs Gelände. Manchmal kämpfen wir uns ordentlich durch Matsch, Dreck, Unkraut, stechende und pieksende Sträucher und mir wird schnell klar: Diese 160 km werden böse. Membranschuhe und Gaiter waren mit Sicherheit die richtige Wahl für mich. Zunächst laufen wir noch alle gemeinsam, aber das Läuferfeld (falls man bei 23 gestarteten Läufern davon sprechen kann) zieht sich schnell auseinander und ich laufe bald alleine. Ich muss erstmal meinen Rhythmus finden, viele laufen mir definitiv zu schnell und andere wiederum zu langsam. Ich versuche immer Blickkontakt zu den Läufern vor mir zu halten, da ich der Markierung und meinem GPS-Gerät noch nicht so recht traue. Allerdings werde ich von der Markierung eines Besseren belehrt: Sie ist fantastisch und das hätte ich so nicht erwartet. Ich kann mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen wie die das bewerkstelligt haben, über so eine lange Strecke ein derartig hohes Markierungslevel zu halten. An jeder Abzweigung hängen rot-weiße Trassierbänder oder der Weg wurde mit Richtungspfeilen aus Mehl markiert. Die Markierungen in Kombination mit meinem GPS-Track lassen ein Verlaufen gar nicht zu, da müsste ich mich schon ziemlich doof anstellen, was mir zuweilen aber dennoch gelingt. Allerdings verliere ich in diesem Wald komplett die Orientierung. Alles sieht gleich aus und ich könnte jetzt nicht sagen wo ich mich gerade befinde. Das hat auch was Gutes, denn so bekomme ich nicht mit, dass ich abartige Haken schlage um aus 4km Luftlinie 20km Laufstrecke zu machen. Manchmal verlassen wir den Normalweg und dann geht’s wieder ins Gebüsch, gefolgt von reinen Offroadpassagen, die normales Laufen komplett unmöglich machen.

Ich sehe mehr Fliegenpilze als je zuvor in meinem Leben und singe fortan das Lied „Ein Männlein steht im Walde“. Das ist Folter und ich bekomme diesen optisch induzierten Ohrwurm so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Ich laufe als einziger von Beginn an mit Stöcken und bin froh drum, da sie mir in den schmierigen Passagen oft weiterhelfen. Richtig knackig wird es, als wir einen von den Waldarbeitern zerfurchten „Weg“ einschlagen. Was die hier mit Ihren Baumfällarbeiten angerichtet haben, spottet jeder Beschreibung. Hier hat sich das Regenwasser in den breiten Reifenspuren gesammelt und ich wate durch den blanken Morast, steige über unzählige gefällte Bäume. Danach spuckt mich der Schönbucher Dschungel wieder aus und ich stehe auf einer Forststraße und kann wieder laufen. Dieses Wechselspiel begleitet mich heute noch öfter und macht zwar Spaß, raubt mir aber jeden Laufrhythmus.

VP1 Altdorf (13.9mi) – 10:36 Uhr

Am ersten VP halte ich mich nur kurz auf. Das Angebot ist reichhaltig, vollkommen ausreichend und die Betreuung sucht ihresgleichen. Lauter nette Menschen und ich würde gerne noch etwas zum Schwätzen stehen bleiben, aber ich habe einen Auftrag und muss weiter. Nachdem ich nur durch den Wald laufe und sonst keine markanten Punkte für mich erkennen kann (es sieht eh alles gleich aus), ist der Weg und der nächste VP das Ziel. Auf Höhe von Rohrau laufe ich auf einem fantastischen Singletrail bedauere zutiefst, dass das irgendwann auch mal zu Ende ist. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich überhaupt keine Orientierung mehr habe? Dann erreiche ich erstmals einen richtigen Aussichtspunkt: Herrenberg. Ich laufe hinunter, darf kurz den Ortsrand streifen und der Weg führt mich sofort wieder nach oben in die Botanik, vorbei an einer Schafherde in den Wald. Nach ein paar Kilometern erreiche ich den nächsten VP in Nufringen. Hier ist auch mein erster Dropbag deponiert.

VP2 Nufringen (29.0mi) 14:00

Ich werde hier mit Applaus empfangen und ich komme mir vor, als wäre ich bereits im Ziel. Genau genommen habe ich nicht mal ein Drittel geschafft, fühle mich aber blendend. Die Verpflegung hier ist sensationell und ich fürchte, dass ich bei diesem Lauf zum ersten Mal eine positive Kalorienbilanz haben werde. Ich gönne mir ein frisches Shirt und mache mich dann weiter auf den Weg. Jetzt laufe ich auf eine kleine Gruppe auf, bestehend aus Gerhard, Nicola und Uwe. Ich schließe mich ihnen an und wir bleiben fortan zusammen bis zum Schluss. Es passt menschlich wie tempotechnisch und wir bewegen uns wie die Hobbits durch die Botanik. Jeder von uns ist verheiratet und somit sind wir alle sowas wie Ringträger, nur unsere Mission ist eine gänzlich andere.
Wir laufen eine Schleife zurück durch Herrenberg und auf einem der wenigen Asphaltsanteile auf dem SUT. Der folgende Streckenteil bis zum nächsten VP in Entrignen ist der schönste der ganzen Strecke. Wir laufen zwar im Wald, haben aber immer wieder mal den Ausblick ins Tal. Wir streifen ein paar Weinberge und es riecht nach Herbst und vergorenem Obst. Ich fotografiere was das Zeug hält, aber leider gibt meine Kamera den Geist auf, weil mir klebriges Gel in den Verschluss gelaufen ist. Für den Rest der Strecke ist erst mal Schluss mit Fotos (An dieser Stelle möchte ich Nicola danken, die mir Ihre Fotos für die Galerie am Ende der Seite zur Verfügung gestellt hat). Da sich in naher Zukunft ohnehin alles nur noch im Dunkeln abspielt, ist mir das relativ egal.

VP3 Entringen (42.9mi) 17:50

Wir erreichen den nächsten VP und füllen auf was aufzufüllen ist. Am Zelt hängen Fotos von allen Läufern. Die Helfer haben vorher in mühsamer Internet-Recherche Fotos der Läufer zusammengesucht, ausgedruckt und hier aufgehängt. Diese Geste berührt einen schon sehr. Es gibt wieder leckere Suppe und jede Menge Leckereien. Wir laufen weiter zum Schloss Hohenentringen und von dort aus wieder weiter durch den Wald in die Nacht hinein. Wir packen unsere Stirnlampen aus und mein ganzer Erlebnisspielraum reduziert sich jetzt auf die nächsten 5m meines Lichtkegels. Wir bleiben eng zusammen und meine Angst, den Weg nicht zu finden erweist sich als unbegründet. Zum einen macht mein Navigationsgerät einen klasse Job, zum anderen stelle ich mit Erstaunen fest, dass die Markierungen zusätzlich mit Reflektoren versehen wurden. Das verdient allerhöchsten Respekt. Dennoch gelingt es uns immer wieder mal, dass wir zu viert – trotz unserer Navis – orientierungslos und doof in der Prärie stehen, aber irgendwie klappt’s dann doch immer wieder. Der Füllstand unserer Mägen und Trinkflaschen schreit langsam nach Verpflegung. Wir verlassen den Wald und durchlaufen Bebenhausen. Dieser Ort mit seinem Kloster ist ein richtiges Kleinod und der einladende Landgasthof bekommt von mir nur aus drei Gründen keinen Besuch: Ich bin dreckig, bin olfaktorisch eine Herausforderung und habe meine Kreditkarte nicht dabei. Der nächste VP liegt nur ein paar Meter außerhalb des Orts, auch gut.

VP4 Waldhausen (55.9mi) 22:04

Es ist angerichtet. Wieder die selbe Herzlichkeit, wieder eine warme Suppe, wieder genügend zu essen, reichhaltige Auswahl – ein Traum. Das ist ja alles so klasse, wir wollen irgendwie gar nicht weiter, stellen aber erste Berechnungen wegen der weiteren Zeitplanung und den Cutoffs an. Das sieht aber noch alles gut aus und wird zu schaffen sein. Rekorde und Platzierungen sind uns ohnehin vollkommen egal, wir wollen ja nur ankommen. Schweren Herzens brechen wir auf und der Wald und die Dunkelheit absorbieren uns wieder. Wir laufen durch die Nacht und so recht weiß keiner, wo wir uns gerade befinden, außer Uwe, der wohnt hier um die Ecke. Sein Bett steht ein paar Kilometer Luftlinie entfernt. Der Himmel ist zunächst sternenklar, dann zieht es aber leicht zu und es beginnt zu nieseln. Gerade mal so viel, dass es reicht nass zu werden, aber nicht ausreichend genug, damit ich mir die Regenklamotten anziehe. Andererseits ist es sowieso egal, nass bin ich ohnehin und beim nächsten VP warten frische Klamotten.
Wir verlassen den Wald wieder, es hat aufgehört zu regnen und wir durchlaufen Pfrondorf. Soweit ich die Karte in meinem müden Kopf habe, sollte der nächste VP nicht mehr weit entfernt sein und auf einer Anhöhe vernehmen wir schon ein Dieselaggregat. An einem hell erleuchteten Grundstück steht schon ein netter Mensch, begrüßt uns und wir stellen kurzerhand fest, dass dies eine Privatparty ist. Der Gastgeber wäre aber nicht abgeneigt, uns auf ein paar Schnäpse einzuladen. Zum Feiern ist es definitiv zu früh, deshalb schlagen wir dieses verlockende Angebot aus und laufen weiter. In einer Wiese übersehen wir die Markierung und gönnen uns noch ein paar zusätzliche Wellness-Meter hin und zurück, bis uns der Weg endlich wieder hat und wir ihn. Wir laufen durch das nächtliche Lustnau und erreichen den nächsten VP.

VP5 Lustnau (66.5mi) 01:29

Der VP befindet sich vor Anders‘ (ich glaub er hieß so…) Wohnhaus. Er bietet uns an, seine sanitären Anlagen zu nutzen und reicht uns ofenfrische gebackene Pizza Brote. Die schmecken so schweinelecker, dass ich mich bei dem Gedanken ertappe, hier einzuziehen. Ich wechsle meine feuchten Klamotten komplett gegen trockene, fülle meine Vorräte wieder auf und pappsatt verlassen wir diesen VP schweren Herzens. Mit dabei ist jetzt Bernd, er ging im Wald verloren und schließt sich jetzt uns an.
Ab jetzt wieder das übliche Spiel: Waldweg, Singletrail, rauf, runter. Die Steigungen sind mitunter ziemlich ruppig, aber nicht von langer Dauer, da bin ich von mir zuhause andere Dinger gewöhnt. Der Wald hat um diese Uhrzeit ein Eigenleben und überall knarzt es, eigenartiges Getier schimpft von oben aus den Bäumen, ab und zu ein Huschen über den Weg und Augen die im Schein unserer Stirnlampen aufflackern. Manchmal vernehme ich Geräusche wie sie im Film „Blair Witch Project“ als Gestaltungselement eingesetzt wurden. Gerhard hat sich bei einer unserer Offroad-Eskapaden auf seinen Leichtmetall-Stöcken zu fest aufgestützt und dabei ging einer zu Bruch, seither läuft der nur mit einem Stock und sieht aus wie ein lustiger Wandersmann. Diese Situation entbehrt nicht einer gewissen Komik. Er läuft mit seinem Stock voraus, wir hinterher und das Ganze erinnert mich wieder an die Hobbits, die Gandalf folgen.
Es beginnt wieder zu nieseln und dann dauert es auch nicht lange, bis es wie aus Kübeln gießt. Das geht jetzt nicht mehr ohne Regenklamotten und wir ziehen uns um. Was jetzt kommt ist Leiden, jeder leidet für sich, aber es beschwert sich keiner. Über jedem hängt das imaginäre Schild: Du willst es so. Aber jetzt darf ich es ja sagen: Das ist richtig, richtig übel. In der Dunkelheit kommt man ohnehin nur langsam voran und bedingt durch den Regen hängen wir noch mehr dem Zeitplan hinterher. Wir waten förmlich durch den Dreck und im schlimmsten Morast rutsche ich auch noch aus und trage fortan herbstliche Tarn- und Erdfarben.
Um ein wenig Strecke zu machen, zieht Gerhard das Tempo etwas an, wir sind aber gerade nicht in der Lage ihm zu folgen und mittendrin ist er weg. Wir sehen ihn nicht mehr, Uwe und ich laufen dann auch noch an einer Markierung vorbei und glücklicherweise ist Nicola wachsam genug und pfeift uns zurück. Nach 120 km lässt die Konzentration einfach nach und der Regen hat außerdem die Mehlmarkierungen weggschwemmt. Ich hätte nur auf mein Navi schauen müssen, aber durch den Regen ist das Display nicht mehr richtig zu erkennen. Wir hoffen, dass Gerhard bereits am nächsten VP wartet, aber als wir dort eintreffen ist noch nichts von ihm zu sehen. Na super, wie im Film: Gandalf ist weg.

VP6 Steinäcker (79.3mi) 06:10

Eine Minute später trudelt er aber dann doch ein, er ist an der gleichen Stelle falsch gelaufen wie wir. Die Crew vom VP leistet ganze Arbeit. Sie mussten wegen des Regens eigens das Zelt aufstellen und haben es uns noch ermöglicht, dass wir uns an einem Heizstrahler im Trockenen wärmen können. Von allem ist wieder ausreichend da und mir graut schon vor dem Moment, wenn ich wieder in den strömenden Regen zurück muss. Ab jetzt sind es nur noch 33 km und das lässt hoffen. Allerdings werden wir das Gefühl nicht los, dass wir etwas aufs Tempo drücken sollten.

Wir ziehen weiter und die langen Bergabpassagen auf den Forststraßen bewältigen wir laufend und können so einiges an Zeit gutmachen. Eine kurze Umfrage in unserer Gruppe ergibt, dass jedem irgendetwas anderes wehtut, aber jammern tut keiner. Langsam dämmerts, es hat aufgehört zu regnen, wir sehen die Wege wieder und somit auch wohin wir laufen. In diesem letzten Stück ist der Anteil an reinen Trails weniger geworden, was ich als sehr angenehm empfinde, da ich ja schneller vorankommen und nicht wieder bis zum Knie durch irgend einen Sumpf waten möchte. Uns begegnen mittlerweile schon die ersten Pilzesammler. Der verdutzte Gesichtsausdruck, wenn Sie die Antwort auf ihre Frage bekommen, was wir hier gerade tun, ist unbezahlbar. In Neuenhaus laufen wir ein paar unsinnige Meter, da ich die Angaben auf meinem Navi etwas anders interpretiere als sie wirklich sind.

VP7 Teufelsbruch (93.8mi) 10:26

Beim Eintreffen am VP stellen wir fest, dass wir ordentlich Zeit gutgemacht haben und gönnen uns ein längeres Päuschen. Das Ziel ist greifbar nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Weg beträgt noch 11 km, Luftlinie wären es gerade mal 3 (Ich weiß was ihr jetzt sagen wollt, aber wir haben es so gewollt). Das tut der Stimmung keinen Abbruch mehr, wir lassen uns vorzüglich bewirten und brechen dann auf. Mit uns läuft Thomas, er entfernt gleich die Streckenmarkierungen, da wir die Letzten sind. Er ist somit der Besenläufer und es hat den Anschein, dass ihm der „Gruppenlauf“ Spaß macht. Wir schlagen noch ein paar ordentliche Haken bedingt durch die Wegführung und als uns Uwes Frau entgegenkommt wissen wir, dass es nicht mehr weit sein kann. Sie begleitet uns auf die letzten Meter und dann sehen wir auch schon das Sportheim. Bei dem Tempo können wir sogar noch eine Zeit unter 29 Stunden schaffen.

Ziel: Dettenhausen (100mi) 12:50

Der Zieleinlauf ist so unspektakulär wie der Start, aber nicht minder herzlich. Wir sind nicht Papst, wir sind Letzter. Aber noch deutlich unterm Zeitlimit. Nach 28 Stunden und 50 Minuten ist mein erster 100Meiler im Kasten. Andreas wartet bereits und andere Sportler applaudieren uns und wir Ihnen. Jeder freut sich über seinen und den Erfolg des anderen und dass alles glatt gelaufen ist. Interessant im Nachhinein ist auch, dass sich viele Läufer zu kleinen Gruppen zusammengetan haben und viele gemeinsam ins Ziel eingelaufen sind, selbst die 4 Erstplatzierten, das nenne ich Sportsgeist. Anschließend wartet eine Dusche auf mich. Frisch geduscht und in sauberen Klamotten gibts im Anschluss noch im „Festzelt“ die Ansprache eines zufriedenen und erleichterten Veranstalters und unsere Finisherpräsente: Das SUT-Shirt, 4 Flaschen Bier, eine kleine Tüte mit nützlichen Utensilien.

Fazit

Zugegeben – ich bin platt. Auch wegen meiner zurückgelegten Strecke, aber mehr noch von der Leistung der Orga. Was da an Markierungsarbeit, Verpflegung und Hingabe jedes Einzelnen ehrenamtlich vor, während und nach dem Rennen gestemmt wurde, kann selbst keine große Veranstaltung toppen und verdient allerhöchste Anerkennung. Im Gegenteil, davon könnten manche Veranstalter noch was lernen und sie täten gut daran. Deshalb mein bescheidenes Danke an alle – für alles. Ich hoffe, es bleibt nicht nur bei dieser gelungenen Erstauflage.

Zur Strecke kann ich nur sagen, sie wird einem Ultratrail mehr als gerecht. Viele Forstraßen machen ein schnelles Weiterkommen möglich, traumhafte Singletrails, kurze und knackige Anstiege alles dabei. Und eine eigene Hymne gibts auch schon (Seitenende) :-):

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1 Kommentar

  1. Gerhard

    Gandalf entbietet dem eloquenten Verfasser dieser Zeilen seinen Gruß und Ehrerbietung.

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