5-Ostalbsummits Olympia-Edition

Die derzeit laufenden olympischen Spiele in London zeigen unaufhörlich gestählte und ahtletische Körper. Selbst mir als relativ gut trainierten Zeitgenossen plagt da das schlechte Gewissen, wenn ich entspannt an meinen mir liebgewonnenen Salzbrezeln kaue und die Jagd nach Gold aus sicherer Distanz von der Fernsehcouch aus verfolge. Ich glaube, ich werde fett.

Szenenwechsel: In der Schweiz findet dieses Wochenende der erste Ticino-Trail statt. Auch ein Rennen an dem ich gerne teilgenommen hätte. Aber mich beschleicht das Gefühl, dass alle erstmalig ausgetragenen Rennen dieses Jahr unter keinem guten Stern für mich stehen. Ich ließ es mal lieber sein, Trainingskilometer für den UTMB habe ich genug und beweisen muss ich mit gerade auch nix. Und als hätte ich es vorher gewusst, das Rennen wird witterungsmäßig abgebrochen. Es goss wie aus Kübeln und sie holten die Läufer busweise aus den Tälern ab.

Szenenwechsel: Es ist Sonntag, ich habe lang geschlafen und draußen scheint die Sonne. Mich drängts nach draußen. Entweder ist es mein schlechtes Olympia-Gewissen oder die Gewissheit, ein schöneres Wetter als das derzeit in der Schweiz vorherrschende zu haben. Der Olmo 5 ist gleich gepackt und Mittags geht’s los. Die Strecke ist die gleiche wie immer, ich spare mir Streckendetails:

Rosenstein – Scheuelberg – Stuifen – Rechberg – Hohenstaufen – Schwäbisch Gmünd (Hbf)

Das ist mein Zwischendurchtrainings-Ultra. Der passt immer, ich weiß wo es was zu trinken gibt, kenne die Kühe auf den Weiden mittlerweile beim Vornamen. Manchmal bilde ich mir ein, auch die Wanderer schon mal gesehen zu haben, aber es kann auch an der Hitze liegen… Apropos Hitze: Es ist warm, die Anstiege wie immer knackig, im Wald zu laufen ist ein Genuss. Einzig nervig auf der ganzen Strecke ist die Stechlust der Bremsen. Ich werde ständig attackiert, sobald ich nicht mehr laufe und muss oft unfreiwillig weiterlaufen, obwohl bei der Hitze eher Gehen angesagt wäre.

Erwähnenswert ist wieder mal der Aufstieg zum Stuifen. Um die Jahreszeit sind die Trails richtig zugewuchert und alles steht in sattem Grün da. 300 Höhenmeter die es in sich haben, in jeder Beziehung.

Auch erwähnenswert ist die Strecke durch das Waldstück zwischen Rechberg und Aasrücken rüber zum Hohenstaufen. Der wunderschöne Weg auf weichem Waldboden ist verbreitert und geschottert, stellenweise auch geteert worden. Jetzt passt auch ein Panzer durch. So kann man sich den Fremdenverkehr auch vom Leib halten.

Wenig erwähnenswert ist das Freigehege für das neue Restauraunt auf dem Hohenstaufen. Das muss man selbst mal gesehen und beschmunzelt haben.

Nach ca. 6,5 Stunden stehe ich in Schwäbisch-Gmünd am Bahnhof. Nicht schlecht für die Strecke bei der Hitze. Die Bahn hingegen meint es gut und will mich in Ihren überklimatisierten Zügen schockfrosten.

Alles in allem, Klasse Lauf, die Salzbrezel schmeckt wieder und Usain Bolt erzeugt am Abend beim Goldgewinn über 100m kein schlechtes Gewissen mehr, im Gegenteil. Ich finde, der sollte mal die 5-Summits laufen…