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Ostalbtrauma – 65km Bauch-Beine-Po

Wie kommts?

Nachdem ich bei Gerhard schon öfter in seinem Laufrevier zu Gast war und bei Torsten dieses Jahr am Neckar „wildern“ durfte, war es an der Zeit mal eine richtige Ultratrail-Hausnummer für die beiden anzubieten. Zudem stand das Ganze als Vorbereitungslauf für den Swiss-Irontrail für Torsten und mich auf dem Plan. Die beiden kennen die Ostalb bislang nur vom Albmarathon, der zumindest in einigen Passagen noch so etwas wie Trail bietet, aber sonst eher eine Asphalt- und Breitensportveranstaltung ist. Ich meine mit breit auch eher die Wege…
Terminlich haben wirs nur noch auf einen Dienstag mitten in der Woche hinbekommen (als semiprofessioneller Trailrunner hat man so seine Verpflichtungen) und so starten wir um ca. 07:30 von Mögglingen aus mit dem Hohenstaufen als Ziel. Dazwischen lassen wir keinen Berg und Hügel aus, laufen Schleifen und durch viel Dreck:  Pfaffensturz – Rosenstein – Hochberg – Nägelberg – Scheuelberg – Bargauer Horn – Bernhardus – Hornberg – Stuifen – Rechberg – Hohenstaufen. Wettertechnisch erwarten wir alles was einem Sonnenverweigerer und Regenfanatiker das Herz erfreut – kurzum: schlechtes Wetter. Egal, kann man sich nunmal nicht raussuchen.

07:30 – los gehts

Beim Start nach Lautern scheint die Sonne und es ist noch alles im grünen Bereich. Das erste Etappenziel, den Pfaffensturz, mit Aussicht auf das was noch kommen sollte, nehmen wir im Sturm und schlagen uns auf Wanderwegen und auf komplett überwucherten Wegen wieder nach unten ins Lappertal. Mehr Trail geht nicht und durch die im nächtlichen Regen abgesoffenen Wiesen sind meine Schuhe patschnass. Nasse Füße sind mir ein Greuel und bei der noch bevorstehenden Länge der Strecke ein Garant für Blasen. Zunächst gehts hoch zum Rosenstein Ostfels, dann am Bergrücken entlang zur Burgruine und am Westfels wieder runter. Von der „Stellung“ aus führt ein Singletrail bis zum höchsten Punkt des Hochbergs. Hier wird mir mal wieder bewusst, dass man so viele Höhenmter nicht in der gewohnten Geschwindigkeit laufen kann und wir nehmen alle einen Gang raus.

Nachdem wir oben sind laufen wir wieder komplett runter, kreuzen die Bartholomäer Steige und müssen aufgrund zugewachsener Wege auch ein Stück auf der Straße in Kauf nehmen. Dann gehts weiter zur Teufelsklinge. Sie führt wenig Wasser ist aber in jedem Fall einen Abstecher und ein paar Fotos wert. Weiter nach oben auf dem Rücken des Nägelbergs und runter nach Beuren, am Fuße des Scheuelbergs machen wir erst mal Pause. Hier habe ich tags zuvor ein Depot angelegt, damit wir Brennstoff nachlegen und tanken können. Hier kann ich auch die Schuhe und Socken wechseln. Vom Start sind wir gerade mal 4km Luftlinie weg, gelaufen sind wir aber ca. 22km und haben 3,5 Stunden gebraucht. Die von Gerhard anvisierte Traumzeit von 10 Stunden für die gesamte Strecke erschien mir im Vorfeld schon mehr als unrealistisch, ich wollte ihn aber nicht schon vorher entmutigen :-).

Wir ziehen frisch gestärkt weiter zum Ostfels des Scheuelbergs und über den Rücken Richtung Himmelreich, vorbei am Naturfreundehaus und hoch zum Bargauer Kreuz. Auf den Wegen sind wir alleine und kein Mensch weit und breit, das Wetter hält noch, obwohl es langsam zuzieht und ein Donnergrollen in weiter Ferne den Wetterumschwung ankündigt. Über eine fantastische Downhill-Strecke gehts runter vom Bargauer Horn und hoch zum Bernhardus. Ich habe nach dem letzten Offroad-Drama an dieser Stelle die Strecke auf einem Forstweg gewählt. Das zieht sich, aber wir können Strecke machen. Oben angekommen donnerts schon ordentlich und wir sputen uns wieder, möglichst schnell runter zu kommen.

Nach Herdlinsweiler kommt VP2. Ich habe hier gut getarnt ein weiteres Fresspaket installiert und wir füllen nach, was nachzufüllen ist. Wir trödeln nicht lange rum, über uns donnerts. Als wir durch Weiler durch sind und in Richtung Steinbacher Höfe unterwegs Fahrt aufnehmen, beginnts zu nieseln.
Beim Aufstieg zum Hornberg erwischts uns dann richtig und die Regenjacken bekommen ihre Daseinsberechtigung. Der Weg nach oben ist steil und hart und schmierig. Ich fluche innerlich und empfinde aber gleichzeitig Freude dabei, endlich richtiger Dreck. Oben angekommen pfeift uns der Wind ordentlich um die Ohren, es ist kalt und am Flugplatz machen wir uns auf einer Teerstraße wieder auf dem Weg nach unten.

Endlich laufen wir wieder und kommen wieder voran. Das Höhenprofil fordert seinen Tribut und das schlägt sich in der Geschwindigkeit nieder. Wir sind nicht sonderlich schnell, aber darum gehts heute nicht. Im Tal angekommen gehts ca. 330HM hoch zum Stuifen. Mein Lieblingstrail, wie immer erste Sahne: Zugewachsen, dreckig, schmal und wunderschön. Aber der Aufstieg ist hart. Wir verlieren uns in Themen wie „Fit im Alter“ und „Bauch weg – so könnte es klappen“, echte Männerthemen eben… Oben angekommen machen wir uns relativ schnell wieder vom Acker, das Wetter ist nicht so prickelnd und so laufen wir ‚rüber‘ und dann hoch zum Rechberg. Hier füllen wir unsere Getränke in der Gastwirtschaft am Außenwasserschlauch sowie in den sanitären Anlagen nach und nehmen das letzte Teilstück in Angriff.

Wir laufen zunächst in entgegengesetzter Richtung auf der Albmarathonstrecke durch den Wald. Ich will aber, dass wir zum Schluss nochmal richtig leiden und habe die Route so gewählt, dass wir zuerst den Aasrücken verlassen und runter nach Ottenbach laufen, um dann letztendlich den Hohenstaufen mit Anlauf zu erklimmen. Dummerweise sind hier nur Straßen, die nach unten führen, der Versuch durch den Lochhof nach unten abzukürzen wird vom Gutsbesitzer jäh mit einem „do gots net nunda“ abgewürgt. Das war aber glatt gelogen, da ging sehr wohl ein Weg hinunter, er wollte halt nicht, dass wir durch sein Territorium laufen. So nehmen wir wohl oder übel die Straße in Kauf. Hier muss ich noch optimieren… Dafür entdecken wir frischgeschorene Alpacas auf einer Weide, die genauso doof aus der (nicht vorhandenen) Wäsche schauen wie wir. Dann geht’s endlich durchs Eichholz hoch nach Hohenstaufen und auf den gleichnamigen Berg.

Oben angekommen verputzen wir die Reste unserer Verpflegung, es nieselt, wir sind nassgeschwitzt und ein eisiger Wind weht. Nichts wie runter und wir entschließen uns noch bis Radelstetten zu laufen und uns dort abholen zu lassen. Nach einer Dusche, einer Pizza und einem alkoholfreien Bier ist die Welt aber sowas von in Ordnung…

Hier der mitgeschnittene Track von Gerhard zum Nachleiden: ca.65km +2750HM

Dank

  • an meine Frau für die Unterstützung
  • an Gerhard und Torsten für die Fotos und dass sie diesen Unfug mitgemacht haben…

3 Kommentare

  1. Andreas

    falls Ihr mal ne Wiederholung (in die andere Richtung oder so was?) macht, waer ich dabei 😉

    andreas

    1. trailmaxx

      Gute Idee – mal andersherum zu laufen :-). In der veranstaltungslosen Zeit werde ich das Ding sicher nochmal ablaufen – ich geb Bescheid. Freu mich 🙂

  2. Susanne

    Schön von euch zu lesen… da brauch ich gar keine Fotos, das kann ich mir ganz wunderbar vorstellen:))

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