Standortbestimmung

Eigentlich wollte ich keine Marathons mehr laufen und wenns auf die Straße geht, dann bekomme ich ohnehin schon die Krise. Wäre da nicht der Welzheimer Limesmarathon hier um die Ecke. “Ich entscheide das spontan” und suche schon mal nach Gründen, nicht daran teilzunehmen, ausschlafen ist ja auch nicht schlecht. Nachmeldungen gehen bis 30 Minuten vor dem Start. Ich habe schon zweimal dran teilgenommen und ich nutzte den Lauf jedes Mal als Trainigslauf mit freundlicher Verpflegung. Was solls, ich überwinde mich und stehe also bei Kaiserwetter um 9 Uhr (bei 7 Grad) am Start und nehme mir vor unter 4 Stunden zu laufen, ganz moderat. Jede Menge Leute, viele laufen den Halben und ca. 90 Marathonis, wobei beide gleichzeitig starten. Ich habe zwar meinen Garmin 305 dabei, nutze ihn aber nur zum Tracken und sehe kein einziges Mal auf die Uhr. Bestzeiten gehen hier nicht. Der Limesmarathon ist zu wellig und hat zudem ein paar kleine knackige Anstiege, die jeden Schnitt zunichte machen. Allerdings habe ich die Zeiten aus den Vorjahren noch im Kopf und weiß, was möglich ist.

Raus aus der Stadt, rein in den Wald, durchs Industriegebiet und dann kilometerlang auf Feldwegen im Schatten am Waldrand entlang. Es ist kühl, die Sonne scheint und es weht ein kalter Wind, das ist optimal, ich laufe rund und fühle mich wohl. An mir stürmen hordenweise Läufer vorbei die sich schon zu Beginn etwas übernehmen. Bei jedem kleinen Anstieg brechen sie dann ein und mir wird bewusst wie gut ich für Berge trainiert bin und kann vorbeiziehen. Diese Spielchen gehen bis KM 20 und ich merke, dass ich durch diesen Firlefanz eigentlich zu schnell geworden bin, bin aber entspannt und es läuft immer noch locker.

Dann trennen sich die Halbmarathonis von den Ganzen und wir sind “unter uns”. Schluss ist mit Trainingslauf, mein Jagdtrieb erwacht und ich ziehe am ersten Hang nach dem Split schon an drei Läufern vorbei und laufe mein Tempo weiter. Ich glaube auch, dass ich in der zweiten Hälfte des Laufs schneller werde und so bald ich einen Läufer vor mir sehe, arbeite ich mich kontinuierlich an ihn heran und überhole irgendwann. Und mir gehts gut, so gut wie schon lange nicht mehr. Bei KM30 verhindere ich einen drohenden Einbruch mit High5-Gel und es läuft weiter rund. Ich sammle Läufer um Läufer ein, bin übermütig genug, mal einen VP auszulassen und bin bei km40 immer noch fit. Jetzt noch durch die Ortschaft und dann ins Ziel: 03.38:21. Nachdem die Strecke im Gegensatz zu den Vorjahren geändert wurde (und eine gefühlte Steigung dazukam) ist die Zeit für mich klasse. Ich war und bin nicht der Schnellste, aber ich kam im Wohlfühlbereich im Ziel an und war noch nicht am Ende, so kanns weitergehen…

 

Strecke bei gpsies