JUNUT 2012

Die Ultralaufszene teilt sich in mehrere Lager. Die einen rennen 24 Stunden auf Tartanbahnen im Kreis, andere wiederum geben sich auf Asphalt die Kante, indem sie Distanzen überwinden, die jenseits der Vorstellungskraft liegen. Und eine weitere Spezies ist diejenige, die sich überwiegend auf Naturpfade ohne festeren Untergrund und mit einer Vielzahl an Höhenmetern spezialisiert hat. Allen gemein ist der Hang zum Extremen und der JUNUT spricht besonders die an, die als Kind nicht mit Dreck spielen durften, immer schön auf dem Gehweg laufen mussten und jetzt Nachholbedarf haben.

Der Jurasteig ist ein Prädikatsweg durch die Landschaft des bayrischen Jura mit einer Länge von 230km. Dem gemeinen Wanderer wird diese Strecke in 12 Häppchen (Tagesetappen) nähergebracht. Es war also nur eine Frage der Zeit bis einer auf die Idee kommt, den Jurasteig auf einmal zu durchlaufen und eine einzige Etappe draus zu machen.

Was hat ein Steig mit Mariah Carey gemeinsam?

Ein Steig ist meist ein von einem Tourismusverband festgelegter Wanderweg, der durch viele Ortschaften führt, viele Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten bietet und dabei nicht immer den direkten Weg nimmt. So kann es sein, dass aus 5km Luftlinie von A nach B schon mal 15km Laufweg werden.

Bei Mariah Carey ist das so ähnlich. Die läuft zwar nicht, aber sie singt. Die Melodieführung ihrer Lieder ist meist relativ einfach, aber sie phrasiert so lange außenrum, bis man die eigentliche Melodie nicht mehr erkennt. Irgendwie kommt sie aber dann doch wieder auf den Punkt.

Die zweite Gemeinsamkeit ist, dass mir sowohl das Laufen eines Steigs dieser Größenordnung am Stück, sowie das Hören von ebengenannter Sängerin ähnliche Qualen bereitet.

Der Gerhard und “sein Lauf”

Gerhard Börner ist in der Ultralaufszene kein Unbekannter und zählt eindeutig zur Spezies der Trailläufer. Ein Bekennerschreiben auf seiner Website unterstreicht dies. Harte, lange und landschaftlich schöne Trails sind sein Ding. Ich teile seine Leidenschaft für diese Art zu Laufen. Vergangenes Jahr hatte er mit einer kleinen Läuferschar den Jurasteig mit kleineren Abkürzungen, aber einer Gesamtstrecke von 200km schon mal “probegelaufen”. Aus diesem Probelaufen wurde eine hand- bzw “fußfeste” Veranstaltung, für die er jetzt als Organisator fungiert. Die letzten Tage und Wochen bestand das Familienleben im Hause Börner vermutlich nur noch aus Arbeit.

Logistik

Unter Zuhilfenahme aller familiären Ressourcen sowie der Unterstützung von Freunden, Feuerwehr und Sportvereinen hat Gerhard einen Rundkurs organisiert, an den sich kein professioneller Veranstalter herantrauen würde. Manche Marathonveranstalter bevorzugen sogar Zweirundenkurse, da die Logistik und der Personalaufwand dadurch minimiert werden kann. Das geht bei desem Lauf nunmal nicht. So wird der Lauf eben in 10 Etappen mit Verpflegungspunkten zerlegt, die in einem von Gerhard vorbestimmten Zeitraum geöffnet sind. An drei Stellen kann man auf seine vorher beim Start abgegebenen Dropbags zurückgreifen. So entstehen Strecken von 15km bis 34km zwischen den Versorgungspunkten. Anders ausgedrückt: Man ist schon mal 6 Stunden ohne Verpflegung von “außen” unterwegs, nagt Rinde vom Baum oder trinkt aus Pfützen.

Die Taktik

Irgendwie legt man sich immer eine Taktik zurecht. Die beruht auf Erfahrungswerten aus vergangenen Rennen und auf eine möglichst realistische Einschätzung seiner momentanen physischen und psychischen Leidensfähigkeit. Wichtig ist auch, wann man welches Equipment benötigt. Ein besonderes Augenmerk bekommen deshalb meine Dropbags. Ausreichend Kleidung, Akkus, Ersatzschuhe und viel anderen Kleinkram packe ich die Tage zuvor in jede Tasche. Das will zelebriert sein… Ein weiterer Faktor: Das Wetter. Der Wetterbericht hatte genau für die Tage des Laufs trockenes Wetter versprochen und gehalten. Immer leicht kühl und angenehm zu laufen, soviel vorab.

Dietfurt

Margot Börner ist die gute Seele des Laufs, das Rennbüro, Mitorganisation, Startnummernausgabe, Leitstelle und und und… Sie feuert uns beim Start an und erwartet uns im Ziel. Wir kommen übrigens unterwegs drauf, dass UTMB auch “Ultra Trail du Margot Börner” heißen könnte, schließlich laufen wir ja auch irgendwie um sie rum…

Es gibt richtige Startummern, ein Shirt, Infos und ein reichlich gedecktes Büffet. Wir deponieren hier unsere Dropbags, ziehen unsere Arbeitskleidung an und gehen zum Marktplatz von Dietfurt. Dort kann man noch schnell sein Gesicht in eine Fernsehkamera halten und ein Statement über sein Tun und Handeln abgeben, um sich somit komplett als Exoten zu outen. Nach der kompakten Ansprache des Bürgermeisters gibt’s um 15 Uhr den Startschuss und ab geht’s.

Abschnitt 1 – Riedenburg (26,6 km)

Es geht raus aus Dietfurt, rein in den Wald und vor allem erst mal hoch. Das Tempo ist hoch, ich muss etwas rausnehmen, kann mich aber nicht beherrschen, das macht einfach zu sehr Spaß. Um meine von mir gesetzten Zeiten halten zu können, gehe ich bergauf, laufe oder gehe auf der Geraden und laufe sobald es bergab geht. Wir laufen runter bis Deising, dann über die Altmühl bzw. das was nach dem Bau des Kanals noch von ihr übrig ist und auf der anderen Seite wieder hoch, in einer Schleife an Altmühlmünster vorbei. Dann wieder runter, auf die andere Talseite bei Gundelfing und wieder hoch. Der Weg macht Spaß, die Steigungen sind kein Problem, ich bins gewöhnt und so könnte es auch bleiben. Wir laufen den Schulsteig entlang, haben herrliche Ausblicke über das Altmühltal um dann letztendlich den ersten VP in Riedenburg zu erreichen. Hier treffe ich um 18:15 ein und bin somit 15 Minuten schneller als geplant. Ich sollte auch ein wenig Dampf rausnehmen, sonst bin ich ein paar Kilometer später schon platt. Wir sind in der Tourist-Information von Riedenburg und hier versorge ich mich schon mal richtig mit Brennstoff und Flüssigkeit. Alles in ausreichender Menge da, nicht lange trödeln, gleich weiter.

Abschnitt 2 – Kelheim (49,2 km)

Weiter geht’s durch den Wald auf dem Wanderweg nach Einthal. Hier kommen wir an der Klamm vorbei. Ein wirklich einzigartiger Ort und es viel zu schade um hier einfach nur durchzulaufen, aber für mehr ist heute nicht Zeit. Aber hier war ich heute nicht zum letzten Mal, soviel ist sicher. Gegenüber sehen wir die Burg Prunn auf dem exponierten Felsen. Sie thront über dem Altmühltal und ist mit Sicherheit eines der am  meisten fotografierten Gebäude im Altmühltal. Dann – wie könnte es anders sein – Wechsel ans andere Ufer, Berg hoch und durch den Wald um dann wieder runter bis kurz vor Essing. Wir queren die Altmühl erneut, diesmal über die Essinger Fußgängerbrücke. Mit mir läuft mittlerweile Uwe Koch, wir kennen uns schon von so mancher Laufveranstaltung her, er läuft die gleiche Geschwindigkeit und will wie ich nur ans Ziel kommen. Zu zweit vergeht die Zeit schneller und es macht enfach mehr Spaß. Es geht an der Altmühl entlang und langsam lässt das Tageslicht nach und sicheres Weiterkommen ist nur noch mit Stirnlampen möglich.

Dann geht’s rechts rein in den finsteren Wald Richtung Donaudurchbruch. Es ärgert uns schon ein wenig, dass es jetzt finster ist, der Weg ist ein Traum. Die Stimmung im dunklen Wald ist zauberhaft. Ab und zu leuchten im Schein unserer Stirnlampen Augen aus dem Wald und es huscht irgendwas über den Weg. Der Blick auf das Kloster Weltenburg bleibt uns leider verwehrt, ich finde den richtigen Weg nicht und die Zeit für eine Suche reicht einfach nicht. Egal, wir gelangen ans Donauufer und laufen am Klösterl vorbei Richtung Donautor zum nächsten Verpflegungspunkt, den wir um 22:15 erreichen. Hier wartet schon Bettina und eine weitere helfende Hand. Bettina wird später noch am VP in Deining eine zweite Schicht einlegen. Wir werden bestens versorgt. Alles nochmal auffüllen und weiter geht’s.

Abschnitt 3 – Matting (76,6 km)

Wir laufen durch die Kelheimer Innenstadt, schlagen ein Angebot meines Bruders auf ein frisches Bier aus. Er ist hier zufällig unterwegs und würde uns auch mit dem Auto ein Stück mitnehmen. Wir lehen auch das sportlich ab, laufen weiter und werden wenig später sogar von ein paar Passanten als JUNUT-Läufer erkannt. Promotion ist eben alles.

Raus aus Kelheim, am Krankenhaus vorbei und ab in den Kelheimer Forst. Das letzte GPS-Signal meines SPOT wird direkt an der Notaufnahme am Krankenhaus gesendet, danach lässt der Wald kein Signal mehr durch. Das sieht von außen über meine SPOT-Website aus, als wären wir in der Notaufnahme und meine Frau macht sich Sorgen. Wir kriegen davon nichts mit und stolpern im Dunkeln durch den Wald. Er hat uns vollkommen absorbiert und der Steig wird zur Expedition. Forstarbeiten haben ganze Arbeit geleistet. Bäume wurden gefällt und das Ergebnis des Entzweigens liegt über dem kompletten Weg verstreut. Zum Teil finden wir gar keinen Weg mehr. Uwe verletzt sich durch das Hochschnellen eines Asts am Schienbein, ist aber tapfer, beißt die Zähne zusammen und heult nicht. Dank meiner Stöcke kann ich mich oftmals gerade noch abfangen und einen Sturz vermeiden. Der Prädikatswanderweg hat hier scheinbar Pause.

Irgendwann spuckt uns der Wald wieder aus, mein SPOT hat wieder Verbindung zum Satelliten und ich erhalte eine besorgte SMS meiner Frau, die mich immer noch in der Notaufnahme auf dem Schirm hat. Kurzes Telefonat, alles geklärt – es geht weiter. Kapfelberg – Poikam – alles Dörfer die ich gut kenne, ich bin in Bad Abbach aufgewachsen und kenne mich hier aus auf den Wegen. Der Steig hingegen schlägt einen schlimmen Haken nach dem anderen. Die Krönung dabei ist Kapfelberg. Hier geht’s steil eine Straße hoch, dann eine Querung von ca. 50 Metern Länge und danach eine Treppe hinunter auf Ausgangsniveau. Das nervt, vielleicht liegts daran, dass es finster ist und wir schon mal ein Päuschen vertragen könnten, aber wir beißen uns weiter durch und kürzen kein einziges Mal ab.

Dann gehts rüber über die Staustufe nach Bad Abbach, hoch zum Mühlberg, vorbei an den Kaiserthermen und runter in den Kurpark. Von dort aus wieder an die Donau. Hier finden wir uns dann direkt am Ufer wieder und laufen durch den Kies. Etwas ungläubig laufen wir den Weg weiter, aber die Markierung zeigt, dass wir richtig sind. Nach der Uferexkursion geht’s wieder richtig hoch und ich wundere mich über mich selbst, wieviel Leben noch in mir ist. Bergauf ziehen wir tempomäßig kräftig an und oben angekommen geht’s wieder durch schöne verschlungene Waldpfade nach Matting. Dort treffen wir um 03:09 ein, von weitem blinkt schon der Versorgungspunkt der Mattinger Feuerwehr. Mir ist das fast schon zu spät, ich wollte schneller da sein und kann mir nicht erklären, wo wir soviel Zeit verloren haben, da wir kein einziges Mal getrödelt haben.

Hier im Feuerwehrhaus ist es schweinegemütlich, Klamotten- und Schuhwechsel zwischen Löschfahrzeugen, Wasser auffüllen, Essen und – einfach nur Sitzen. Wir werden herzlich empfangen und würden am liebsten hierbleiben. Die Crew der Feuerwehr hat sichtlich Spaß. Immer nur Brände löschen oder Katzen von Bäumen holen ist auf Dauer ja auch fad, oder? Wir brechen um 04:00 wieder auf und ich hinke meinem Zeitplan fast 90 Minuten hinterher.

Wir sind ab jetzt zu viert. Mit Gerhard Börner und Hermann Böhm sind wir jetzt die vier eiligen drei Könige. Ein Hesse, ein (Ex-)Niederbayer, ein Oberpfälzer und ein Franke – Multikulti auf höchstem Niveau.

Abschnitt 4 – Pielenhofen (101 km)

Wir trotten zum Donauufer, dort wartet schon das Boot zum Übersetzen. Wir erhalten noch Rettungswesten und sehen darin aus wie verschlafene Ninjaturtles. Die Überfahrt ist ein echter Luxus und auch relativ schnell vorbei. Dann machen wir erstmal Speedhiking an der Donau entlang, die Donauhänge hoch und dann verschluckt uns erst mal wieder der Wald. Wir sind flott unterwegs und das ist auch nötig. Uwe macht irgendwann Lärm und fuchtelt mit seinen Stöcken im Gebüsch rum. Es stinkt erbärmlich und er meint, das seien Wildschweine, die müssen hier noch vor Kurzem gewesen sein. Wenn man Lärm macht, verschwinden sie. Aja, ich glaube ihm das mal und hinterfrage es nicht weiter. Sollten die Viecher das anders sehen, würden wir’s schon mitbekommen und ab dann nur noch schneller vorankommen.

Kurz vor Eilsbrunn beginnt es zu dämmern und ich freue mich auf den Tag, weil ich wieder sehe wo ich hinlaufe. Der Weg ist ein Traum und ich werde wieder hellwach, bin fast nicht mehr müde. Wir laufen auf dem Höhenweg über Schönhofen, streifen Nittendorf am Rande und gelangen nach Etterzhausen. Hier laufen wir jetzt am Ufer der Naab entlang, allerdings nicht lange genug um richtig Spaß zu haben. Der Steig sieht vor, dass wir uns in den Wald nach oben begeben, um uns dann wieder runter nach Penk zu schicken. Dort gehts wieder zurück in den Wald. Mir fällt hierzu die nervige Sängerin wieder ein, in Penk gibts nur einen Gasthof, der hat aber jetzt zu.

In der Weite dieses Waldes zieht sich unsere kleine Gruppe ein wenig auseinander. Jeder hat irgendwann seinen Tiefpunkt und muss einfach mal kürzer oder austreten. Letztendlich gelangen wir dann nach Pielenhofen zum nächsten VP in der Klosterwirtschaft. Hier empfängt uns wieder ein Klasse Team und diesmal eine warme Suppe. Wir haben wieder Zeit gutgemacht aber die Rechnerei beginnt so langsam in allen Köpfen, aber keiner will es zugeben. Ausgerechnet jetzt kommt auch noch das längste Stück mit 34km ohne Versorgungspunkt. Ich fülle alle Trinkbehälter und noch zusätzliche Flaschen, mein Rucksack wird dadurch grausam schwer. Zu schwer, um richtig flott durchlaufen zu können.

Abschnitt 5 – Aufbruch zum Abbruch

Wir starten um 09:00 und laufen im Wald in Richtung Duggendorf. Das Terrain ist jetzt nicht mehr so stark profiliert wie zu Beginn im Altmühltal, aber nach 100km in den Knochen nervt schon ein Begrenzungsstein des Bürgersteigs. Der Zeitdruck lässt sich aber langsam nicht mehr leugnen. Am Wegrand sitzt auf einer Bank Thomas, er ist sichtlich geknickt. Er hat Probleme mit dem Fuß und normalerweise bringt den so schnell nichts um, aber im Hinblick auf seine weiteren Saisonziele lässt er es gut sein und bricht ab.

Wir laufen weiter an der Naab entlang. Irgendwie ist jeder insgeheim damit beschäftigt, durchzurechnen, ob die verbleibende Zeit noch reicht. Jetzt lässt auch Uwe die Katze aus dem Sack. Er läuft schon seit einiger Zeit “unrund”. Er hat Schmerzen und das scheinbar schon länger. Der Premum-Ast im Kelheimer Forst hat mehr Schaden an seinem Fuß angerichtet, als er sich zunächst eingestehen wollte und sieht sich außer Stande das Ziel zu erreichen. Nachdem die Moral jetzt ganz unten ist und aus einer glorreichen Truppe ein Haufen Elend geworden ist, lassen wir vier uns in Kallmünz nach 115 km nieder und beraten uns. In Kallmünz ist die Hälfte der Strecke geschafft und wir haben hierfür 21 Stunden benötigt. Somit wäre das in 46 Stunden eigentlich zu machen.

Die Rechnerei beginnt

Der nächste VP ist in Schmidmühlen und hat bis 17:30 offen, danach ist Feierabend. Soweit das unser übermüdetes Hirn noch zulässt, kommen wir beim Durchrechnen zu dem Schluss, dass wir um ca. 16 Uhr dort eintreffen. Damit blieben noch 90 Minuten um zu essen, zu duschen und zu schlafen. Das ist definitv zu wenig. Eine Stunde mehr wäre mindestens nötig, damit ich es packe. Auch Gerhard denkt für den Fall einer zweiten Auflage des Junuts, laut über eine andere Zeitplanung bei den Verpflegungspunkten nach. Nur hilft uns das jetzt nichts und ich stehe vor den Optionen ohne Schlaf durchzulaufen oder aufzuhören. Vor einer solchen Entscheidung stand ich noch nie. Entweder ich war halbtot und bin deswegen raus, oder ich war verletzt und konnte deswegen nicht weiter, aber nicht, weil ich es falsch eingeschätzt hatte. So richtig geschlagen will ich mich nicht geben. Vielleicht hätten wir auch die Aufenthalte an den VPs kürzer gestalten, oder auch nur schneller laufen sollen? Wie auch immer, so wie es ist, ist es nunmal. Und das Beste an dem Ganzen: Ich bin eigentlich noch fit, mir tut auch nichts weh, aber ich traue mir offen gesagt einen 230km-Lauf ohne Schlaf bzw. ohne ein wenig Erholung nicht zu.

Abbruch – Kallmünz (115 km)

Gerhard und Hermann verlassen die Originalstrecke und laufen den Direktweg nach Schmidtmühlen außerhalb der Wertung und wollen dann aufhören, Uwe und ich lassen uns in Kallmünz von seiner Frau abholen. Wir trennen uns schweren Herzens, gemeinsames Leiden verbindet doch irgendwie.

Wir fahren nach Schmidmühlen und außer dem Norweger und späteren Sieger, ist noch niemand hier gewesen, das überascht mich schon ein wenig, scheinbar waren wir doch nicht ganz so langsam. Ich dusche, esse was und dann kommen auch schon die nächsten Läufer. Die waren dann wirklich schnell, sehen allerdings auch danach aus. Das TV ist auch da und wir verdrücken uns. Wir sammeln noch zwei weitere Läufer ein und fahren noch alle Verpflegungsposten an, um unsere Dropbags abzuholen. Danach gehts zurück nach Dietfurt und meine Frau wartet bereits.

Fazit

11 von 39 Läufer haben es laut letzten Infos geschafft, meine Hochachtung! Viele der Läufer waren sicher an ihrem persönlichen Limit, aber auch viele (so wie ich) haben die Zeitlimits falsch eingeschätzt. Ein 230km-Lauf war für mich Neuland.

Der Lauf und die Landschaft sind wunderschön, die Trails sind klasse und gut zu laufen. Besonders hervorzuheben ist das Altmühltal mit seinen Ausblicken, Vieles davon haben wir leider nur im Dunkeln gesehen bzw. erahnen können. Die Beschilderung ist gut, sie hängt nur etwas hoch und leuchtet im Dunkeln nicht. Wir sind weitgehend ohne Navi ausgekommen. Die Strecke ist bedingt durch ihre Länge von 230km definitiv hart. Man muss in seine Lauftakitk genügend Zeit an den VPs einplanen und sich im Klaren sein, dass es genauso 46 Stunden durchregnen (und schneien) kann.

Zur Orga kann ich nur sagen: Hut ab. So was muss man erst mal stemmen. Die Verpflegung war klasse und vollkommen ausreichend. Die Hilfsbereitschaft an den VPs sucht ihresgleichen. Die bereits angesprochene Schlusszeit des VPs in Schmidmühlen könnte um 1-2 Stunden verlängert werden. Es wäre immer noch genügend Zeit, danach den Lauf zu finishen. Vielleicht lässt sich Gerhard nachträglich (und zukünftig) ja noch eine 100km und 100Meilen-Wertung aus den Rippen leiern…

Warum diesmal so wenig Fotos? Wer übermüdet gegen ein Zeitlimit ankämpft hat andere Probleme als zu fotografieren, sorry. Danke an Gerhard, der sich meine Kamera geschnappt und noch ein paar Bilder gemacht hat.

Dank

Da es eine eher familiäre Veranstaltung unter Freunden war, möchte ich meinen Dank gesondert ausdrücken. Ich hatte überall das Gefühl “die machen das gerne”.

  • Gerhard und Margot, ihr seid Spitze!
  • Alle Helfer an den VPs. Die sahen zum Teil übernächtigter aus als wir…
  • Feuerwehr in Matting. Die aus dem eigenen Fundus bereitgestellte Espresso-Maschine war der Knüller und die Gastfreundschaft ist nicht zu toppen. Für Insider: Hat Armin eigentlich seinen Mitgliedsantrag bei der FFW unterschrieben…?
  • Achja, Dank an unsere kleine Laufgruppe: Uwe, Gerhard und Hermann – hat Spaß mit euch gemacht.

In eigener Sache

Jetzt mache ich mich mal richtig unbeliebt. Wenn man die Gespräche von anderen Teilnehmern, teilweise unfreiwillig, mithört, muss ich meine Gedanken hierzu einfach loswerden:

  • Auf Trails ist auch mit Laub auf den Wegen zu rechnen. Um diese Jahreszeit ist der Tourismusverband noch nicht mit dem Laubsauger unterwegs.
  • Eine Stirnlampe soll nicht der Erleuchtung der Stirn dienen, sondern soll hell genug sein, damit ihr den Weg auch findet.
  • Apropos Weg. Verlaufen ist immer drin, damit muss ich rechnen. Ein wenig Orientierungssinn ist in unserem Sport vonnöten – auch wenn das Hirn bei Übermüdung nicht mehr so richtig will. Wenn man sich verläuft, kann kein anderer was dafür, andere schaffen das ja auch. Wer die Augen offen hält, findet den Weg auch. Es gab ja auch die Möglichkeit im Vorfeld GPS-Geräte zu ordern. Ein Blick in die beigelegte Karte der Startunterlagen oder das Studium des GPS-Tracks über Google-Earth ist da hilfreich.
  • Das Höhenprofil lässt unmissverständlich den Rückschluss auf Anstrengung zu. Die Tortour de Ruhr ist flach und der Junut nicht! Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass beide gleich lang sind.
  • Nicht nur das Lauf-Training gehört zur Vorbereitung, auch das Lesen des Roadbooks… 🙂