Auf ein Neues

Es ist jetzt ein paar Tage her, dass ich den Junut zur Hälfte gelaufen bin und immer noch habe ich die unglaublichen Eindrücke dieses Laufs im Kopf. In meinem Kopf ist allerdings auch: “Did not finish” und die Frage aller Fragen: War ich zu weich zu mir selbst und hätte ich doch weiter kämpfen sollen? Ich war noch voll Energie und habe trotzdem aufgegeben, nur wegen der Uhr. Diese Gedanken versteht nur, wer selber diese Distanzen läuft. Entscheidungen die nach 21 Stunden Laufen getroffen werden, entbehren oft jeder rationalen Grundlage. Alle Nichtläufer aus meinem privaten Umfeld halten es ohnehin für vernünftig, aufzuhören bzw. am besten erst gar nicht anzufangen. Die darf ich nicht fragen. Hätte mir nur was weh getan oder wäre ich verletzt gewesen, könnte ich mich auf Schmerzen oder eine Verletzung rausreden.
Im Sport wird man an Erreichtem und an Erfolgen gemessen, nicht ob Du dabei Spaß hattest. Wir können es einfach nur schwer akzeptieren, dass wir die Ziele nicht erreicht haben. Das wurmt, keiner will’s zugeben und wenn es auch nur im hintersten Ecke unseres Egos sitzt, aber es ist da. Ich habe beim Versuch mein Ziel zu erreichen versagt. Ausreden werden gesucht, aber warum eigentlich?

Ich behaupte: Alles nur eine Sicht der Dinge.

Anstatt mich über sich selbst und meine Leistung zu freuen, neige ich dazu, darüber enttäuscht zu sein, was ich nicht geschafft habe. Ich stand in Kallmünz und ärgerte mich nach 115km, ca. 2500HM und knapp 21 Stunden, dass ich das gleiche Pensum nochmal nicht in der vorgegeben Zeit schafffen könnte. Tage danach denke ich mir, es ist eigentlich kompletter Irrsinn. Andere bekommen vom Gang zum Kühlschrank einen Krampf und ich laufe über 115km aus dem Stand und springe zwei Tage danach ohne Blessuren schon wieder durch die Gegend. Die Tatsache, dass ich jederzeit über 100km weit (und weiter) am Stück laufen kann, bedeutet für mich ein Stück Freiheit und macht mich stolz. Und noch was: Der Jurasteig hat mich nicht zum letzten Mal gesehen – versprochen. Ich geh’ jetzt zum Laufen.

Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens aber später.
Wilhelm Busch