6-Ostalb-Summits

“Von Norden her Bewölkungszunahme und Regen, im Süden tagsüber noch freundlich”. Das waren die Worte des TV-Wetterfroschs am Freitag Abend. Ich will raus und was “Langes” laufen! Spontan die 50km “rüber” zum Hohenstaufen und dann nach Schwäbisch Gmünd mit dem Zug zurück – die “5-Ostalb-Summits, oder vielleicht was anderes? Das Schöne an dieser Art Sport ist, dass man einfach nur losläuft. Da aber ziemlich große Herausforderungen 2012 ihre Schatten vorauswerfen und ich unbedingt Höhenmeter, gepaart mit Ultradistanzen fressen will, möchte ich diesmal den Schwerpunkt auf die vertikalen Meter legen und den Rest eher im Midtempobereich angehen.
Nach dem erkältungstechnischen Desaster, welches mich nach dem Neckarsteig ereilte, fühle ich mich auch erst heute wieder so richtig fit für einen langen Kanten mit dieser Packung an Höhenmetern, so was zieht sich doch hin…

Die Route

Sie ist im Großen und Ganzen ähnlich der “herkömmlichen” 5-Ostalb-Summits-Tour, allerdings um einen Berg mehr: Den Hochberg. Alpin betrachtet, sind das keine hohen “Berge”, aber wenn man die oft genug rauf und runter läuft, zwickt’s schon ein paar mal gewaltig. Während die ersten 3 Berge ausschließlich auf Singletrails und im Wald gelaufen werden, sind die späteren drei leider durch ziemlich viel Asphalt miteinander verbunden. Sicher finde ich irgendwann mal einen Trail und bekomme den Apshaltanteil unter 1%… Ich bin mir auch sicher, dass ich noch einen Berg einbaue, mir gefällt die Zahl 7 🙂

Somit sieht die Tour so aus (hier der GPS-Track) ca. 53km und 2100HM+ :

  • Start Mögglingen (415m)
  • Rosenstein (735m) >
  • Hochberg (767m >
  • Scheuelberg (717m)
  • Stuifen (757m)
  • Rechberg (707m)
  • Hohenstaufen (684m)
  • Ziel Schwäbisch Gmünd (320m)

Los geht’s

Morgens 6:20 Start. Eigentlich zu spät, aber ich trödel wieder mal rum, egal, es ist noch finster und die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt. Mit dabei: das Navi,  Fotoapparat, jede Menge Flüssigkeit, Ersatzklamotten, Stöcke und Oatsnacks als Belohnung. Man glaubt nicht, was alles in den kleinen Olmo5-Rucksack passt…

Ich laufe im moderaten Midtempo-Bereich nach Lautern, dort an der Ölmühle hoch über das finstere Loch zum Rosenstein-Ostfelsen. Kurzer Ausblick mit Beweisfoto nach Aalen und weiter auf dem Bergrücken zum Westfelsen und dann runter zur “Stellung”. Von dort aus auf einem Singletrail auf den Hochberg hoch. Dieser Streckenteil ist Neuland für mich und führt auf wenig begangenen Wegen durch Buchen- und Kiefernwälder nach oben. Ich behaupte mal, dass ich einen ausgeprägt guten Orientierungssinn habe, aber ohne Navi hätte ich den Weg hier hoch nicht auf Anhieb gefunden. Der Weg hier rauf macht echt Laune und downhill sicher auch. Oben angekommen laufe ich durch einen Hohlweg in Richtung Teufelsklinge wieder nach unten. Der Weg ist zwar auf dem Navi eingezeichnet, aber der ist nur im Frühling gut zu laufen, im Sommer ist der vermutlich zugewuchert und ohne Machete nicht zu stemmen. Ich überquere die Straße und laufe aus dem Tal heraus hoch zur Teufelsklinge.

Die Teufelsklinge ist eine Karstquelle und ein Naturdenkmal. Derzeit führt sie viel Wasser und ist durch den strengen Frost teilweise noch tiefgefroren, ein imposanter Anblick. Ich laufe den Nägelberg weiter hoch und am Bergrücken entlang nach Beuren. Jetzt kommt die Sonne raus und es ist für den Rest des Tages bestes Wetter. Manchmal frühlingshaft warm, aber es weht ein eisiger Wind, der sich besonders in den höheren Lagen bermerkbar macht.

Es geht durch Beuren, ein Bauerndorf, eingebettet in eine traumhafte Kulisse. Und es stinkt erbärmlich nach Schweinescheiße… das muss man schon mögen. Weiter nach diesem olfaktorischen Hochgenuss geht’s auf den Scheuelberg. Ich laufe in der Sonne und vorbei ist’s mit langsam. Ich ziehe hier den Berg hoch, als ginge es drum, einen Preis zu gewinnen. Ich habe mich aber dann nach Erreichen des Gipfels wieder im Griff und nehme einen Gang raus. Hier am Bergrücken entlang zu laufen ist wirklich eines der Highlights dieser Tour.

Ich erreiche das Naturfreundehaus laufe weiter bis nach Weiler und mache einen Break bei der orstansässigen Bäckerin. Allerdings hätte sie meine Planungen als kulinarischen Streckenposten beinahe zunichte gemacht, da ihr Getränkevorrat sich auf 2 Flaschen Mineralwasser beschränkt hatte. Was für mich ausreichend ist, wäre für eine größere Läufergruppe zu wenig und würde zu einem echten Problem führen. Ich nehme noch Laugengebäck mit viel Salz und esse im Weitergehen. Es geht weiter an den Steinbacher Höfen vobei, durch verschlungene Pfade rüber zu den Zusenhöfen und hoch zum Stuifen. Der Aufstieg ist wie immer das Zuckerl. Ich mag diesen Weg. Tiefster Wald, Singletrail, keine Menschenseele, dreckig und bergauf.

Allerdings haben die Waldarbeiter auf dem Bergrücken des Stuifens mit ihren Fichtenmopeds ganze Arbeit geleistet und einen ziemlichen Kahlschlag veranstaltet. Vielleicht haben dies die Stürme im Januar notwendig gemacht, aber es ist schon sehr trostlos jetzt. Oben auf dem Stuifen prangt jetzt das neue und ewig hohe Holzkreuz. Das hätte man sich komplett sparen können, man kann die Natur nun mal nicht “verschönern”, es war vorher schöner… Danach gehts (in entgegengesetzter Richtung auf der Albmarathonstrecke) weiter zum Rechberggipfel, eigentlich ein Katzensprung und ich bin zeimlich flott oben. Übrigens: Da oben gibts in den sanitären Anlagen Trinkwasser (keine Zisternenbrühe) zum Befüllen der Trinkgefäße.

Ich sehe vom Rechberg aus schon den Hohenstaufen und nehme den Weg über den Höhenzug zwischen den beiden Bergen im Laufschritt. Jetzt noch hoch auf den Hohenstaufen und oben setze ich mich erstmal in die Sonne und genieße die Aussicht, verdrücke meinen hochkalorischen Oatsnack und mache mich wieder auf den Weg. Ich laufe runter nach Maitis, die alte Bahntrasse entlang und bei Lenglingen links ab Richtung Wald. Vorbei am Ziegerhof, Vorder- und Hinterhochstett auf Forststraßen nach Schwäbisch Gmünd. Nach insgesamt 8 Stunden erreiche ich dann den Bahnhof. Ich hätte eigentlich noch genügend Energie um nach Hause zu laufen, aber ich lass es gut sein für den Tag und genieße die Fahrt in vollen Zügen… 🙂