3. Schwabacher Winter Ultra 2012 (SWU)

Gerhard hat zu seinem Winter-Ultra geladen und das Trailvolk quer aus Deutschland ist seinem Ruf wieder gefolgt. Geplant ist die bewährte Strecke rund um Schwabach über 56km und ca. 750HM. Nichts also, wovor man Angst haben müsste. Zum dritten Mal veranstaltet er den Einladungs- und Gruppenlauf. Selbstorganisierte Gruppenläufe mausern sich immer mehr zum Trend. Der Wettkampfcharakter weicht dem Gruppenerlebnis, neue Kontakte werden geknüpft und alte gepflegt. Laufen, weil’s Spaß macht. Soziale Netzwerke im Internet tun ihr Übriges, um die “Community” auch virtuell zusammenzubringen.

Was brauchts für einen Gruppenlauf? Einen, der sagt wo’s langgeht und im Idealfall dafür sorgt, dass Verpflegung an strategisch günstigen Punkten vorhanden ist. Als die Einladung im November eintrudelt, lasse ich mich kein zweites Mal bitten und bin sofort wieder dabei. Wer trödelt, landet auf der Warteliste oder hat Pech. Ich bin bekennender Wiederholungstäter und kenne den Lauf aus dem Vorjahr. Wer das ganze Jahr durchläuft, kennt keine Winterpause, warum nicht im Winter einen Ultra laufen?

Gerhards Frau Margot ist mobiler Verpflegungsposten und die gute Seele dieses Laufs. Während er versucht, 35 Laufverrückte wie einen Sack Flöhe auf einem Haufen zusammen zu halten, karrt sie die Verpflegung von einem VP zum anderen (was so alles in einen Fiat 500 reinpasst…) und empfängt uns mit Getöse und Anfeuerungsrufen. Die Verpflegung ist erste Sahne und wir wissen, hier hat jemand organisiert, der selbst genug Kilometer in den Sohlen hat und mit Leib und Seele dabei ist. Gesponsert wird das Ganze auch noch von einem Outdoor-Ausrüster (massig T-Shirts mit Aufdruck wurden gestellt), sowie einem Fitness-Center in Schwabach. Jaja, die Franken lassen sich da nicht lumpen… Letzterer Sponsor stellt seinen Fitnessbunker als Start und Ziel zur Verfügung. Warme Duschen und eine geheizte Umkleidekabine nach einem Winterlauf sind ein Segen…

15:01.2012 – 10:00h Start

Wir laufen aus dem Industriegebiet raus und rein in den Wald. Feldwege, Singletrails, Waldwege, Forststraßen – alles dabei. Das Wetter passt auch. So richtig Winter ist’s ja nicht, aber der Boden ist gefroren. Die Sonne kommt durch, und das Laufen macht Spaß. Wir laufen zunächst in moderatem Tempo, dann wird’s ein wenig flotter und bei einem 5:30er-Schnitt jagen wir durch die Prärie. Für alle Fälle hat der Schlussläufer eine Trillerpfeife. Wenn “die vorne” zu schnell werden, pfeift er.

Ich komme mit vielen Läufern ins Gespräch, viele kenne ich, manche noch nicht und für alle anderen reicht die Zeit nicht. Wir erzählen uns gegenseitig unsere Laufabenteuer. Großen Anteil haben auch die Themen über die kleinen Wehwehchen, Rennabbrüche, Verletzungen. Wenn Mann schon zuhause nicht jammern darf, dann wenigstens unter Gleichgesinnten… Equipmentfragen werden diskutiert, das Schuhmodell gemustert, die Zeit vergeht wie im Flug.

11:00 – KM 11

Wir erreichen Kammerstein und dort ist in einer Garage von Freunden der erste VP aufgebaut. In einem Rennen würde man jetzt kurz was zu sich nehmen, seine Flaschen vollfüllen und weiterlaufen. Nicht so hier. Die Morgensonne wärmt uns angenehm, wir hauen uns die Wampe voll und trödeln rum. Dabei kühle ich auch schon ein wenig aus und bin froh, dass es wieder weitergeht. Ich mutiere immer mehr zum Nachzügler und fotografiere ein wenig die Landschaft, Trails, Land und Leute. Verlorengehen tu ich nicht, die Truppe macht so einen Lärm, dass man “nach Gehör” laufen kann.
Eine wirklich feine Strecke und das Wetter dazu sind ein Traum.

12:35 – KM 22

Wir laufen in Abenberg ein und stürmen die Burg Abenberg mit Halali, genialer Ausblick inklusive. Danach gibt’s in der Ortsmitte wieder was zu beißen und zu trinken. Margot steht mit der Ratsche an der Straße und “läutet” zum Mittagessen. Pausen gut und nett, aber ich beginne schon wieder zu frieren. Aber alle haben irgendwie so gar keine Eile, dann geht’s irgendwann wieder weiter, vorbei am trockengelegten Ziegelweiher, durch den Abenberger Wald nach Aurau.

Zwischen Aurau und Rothaurach kommt mein Lieblingsstück. Letztes Jahr war hier alles wegen Hochwasser abgesoffen und die Trails waren nur noch Morast. Jetzt ist’s anders, alles ist gefroren und der Boden ist fest und gut zu laufen. Hier schlängelt sich ein feiner Singletrail durch den Wald und durchs Gestrüpp, der macht so richtig Laune. Nach Rothaurach landen wir wieder im Wald und der leicht abschüssige Waldweg nach Büchenbach verleitet dazu, eine Schippe drauf zu legen und die Schlagzahl zu erhöhen. Darunter leidet leider die Homogenität der Gruppe, aber irgendwie finden dann doch wieder alle den Anschluss bis zum nächsten VP in Büchenbach.

14:45 – KM 37

Auch an diesem VP wieder das gewohnte Bild: Margot macht sich lautstark bemerkbar, damit keiner aus Versehen trandösig dran vorbeiläuft. Die Pause endet kurz bevor ich mit dem gefühlten Gefrierbrand Bekanntschaft mache. Es geht endlich weiter durch den Wald an der Bahnlinie entlang und dann weiter auf dem Kunstweg an der Rednitz entlang. Die imposanten Kunstwerke bekommen von mir heute nicht die gebührende Aufmerksamkeit, ich möchte laufen, damit mir wieder warm wird.

Die Gruppe zieht’s in dieser langen Ebene sehr weit auseinander. Viele sind schon etwas wortkarg und benötigen die Luft für Sinnvolleres. Wir sind jetzt knapp 5 Stunden unterwegs und nähern uns der Marathonmarke. An der Sonnenuhr bei KM 42 gelingt es tatsächlich, alle Läufer auf ein Gruppenfoto zu bannen, bevor es weitergeht und sich eine schnellere Gruppe absetzt. Ich bin eindeutig der Langsamere, war eingangs nicht von moderatem Tempo die Rede?

16Uhr – KM 47

Wir treffen uns dann wieder alle zum letzten und finalen VP bei Gerhard im Garten. Hier gibts heiße salzige Brühe und die wärmt so richtig von innen, wie wenig man doch braucht um glücklich zu sein. Gerhard gibt jetzt die Losung aus, in zwei Gruppen zu laufen, eine schnelle und eine weniger schnelle. Ich fühle mich eindeutig zur letzteren unter Gerhards Führung hingezogen, zu sehr stecken mir noch die knapp 100km vom letzten Wochenende in den Knochen.

Die schnellere Gruppe startet allerdings gleich und das kommt mir und meinem Bedürfnis nach Wärme durch Bewegung sehr entgegen. Also hinterher, das Tempo geht zunächst in Ordnung, aber danach muss ich sie ziehen lassen. Ich bin ja zum Vergnügen hier und nicht auf der Flucht. Ich habe mein Navi dabei und verlasse mich mal auf die Satelliten. Und wenn’s gar nicht klappt, holt mich dann die langsamere Gruppe ohnehin wieder ein und ich kann mich dranhängen. Die Schnellen entschwinden dann irgendwann am Horizont, hole sie aber schnell wieder ein, da sie ohne Navigation unterwegs sind und ein paar Zusatzmeter laufen. Mir fällt spontan der Spruch eines Reifenherstellers ein “Power ist nothing without control”…

Tach, Herr Oberförster…

Wir irren nun gemeinsam ein wenig durch den Wald, gelangen dann wieder auf den richtigen Weg und treffen dann auf den Hüter des Waldes, den Herrn Oberförster. Er taucht aus dem Nichts auf und versperrt uns mit seinem Geländefahrzeug den Weg. Der ist so gar nicht gut auf uns zu sprechen. Zunächst beschuldigt er uns, dass wir seine Bäume angepinselt und markiert hätten (wer macht denn so was?) und nun laufen wir auch noch durch sein Terrain, noch dazu auf Wegen, auf denen wir überhaupt nicht laufen sollten. Er redet was von grünen Schildern, auf denen eindeutig steht, wo man wie laufen darf, aha. Unsere Begeisterung über den eben gelaufenen Trail und dass unser Stollen-Profil da saugut drin haftet, könnte er sicher nicht teilen, deshalb halten wir mal die Klappe und lauschen weiter seinen Ausführungen. Wir können ihn allerdings schnell beruhigen, zeigen uns reumütig und erklären ihm, dass wir uns verlaufen hätten und nichts von irgendwelchen Markierungen bzw. Schildern wissen.
Dann ziehen wir weiter, sagen ihm aber nicht, dass in 10 Minuten gleich 3 mal so viel Leute hier durchtrampeln werden…

Ein paar Meter weiter sehen wir eines dieser ominösen Schilder. Es sind ziemlich große Tafeln mit viel Text und Bildern. Unter uns: Nichts für Leute in der Abenddämmerung, die schon eine 50km-Strecke in der Birne und einen Tunnelblick haben. Da braucht’s eindeutige Anweisungen, am besten Piktogramme. Wie die wohl aussehen würden…?

Ich lasse mich wieder zurückfallen, die Gegend ist zu schön und es dämmert bereits, als ich Schwabach erreiche. Das Navi lotst mich schnurstracks durch die Innenstadt zum Königsplatz. Hier wartet Margot und eine weitere Strohwitwe eines Teilnehmers und geben lautstark die Schlachtenbummler. Kurzes Siegerfoto und weiter geht’s zum Endspurt.

Ich ertappe mich dabei, dass mir rote Ampeln nach diesem langen barrierefreien Lauf äußerst zuwider sind. Man steht vollkommen bescheuert rum, wird angegafft und es geht nicht weiter, aber das nur am Rande… Ich laufe durch den Stadtpark und nach ein paar Straßenbiegungen stehe ich wieder vor dem Fitnesscenter und ein paar Minuten später auch unter der warmen Dusche. Hier prallen echt Welten aufeinander, Menschen auf Laufbändern – irgendwie eine andere Welt, aber doch so real…

Danach füllen wir unseren Kalorien- und Flüssigkeitshaushalt noch mit leckerer Gemüselasagne und alkfreien Sportgetränken nach dem bayerischen Reinheitsgebot auf. Gerhard verlost dann noch ein paar T-Shirts vom Outdoor-Sponsor (Wer seine eigene Größe weiß, kriegt eins: “Wer hat M?” 🙂 ) Alles in allem – das war echt wieder Klasse.

Danke an Gerhard und Margot!!!