Die Flucht vor der Monotonie…

…trieb mich in die Einsamkeit und in die Wälder der Ellwanger Berge. Ich war schon in Rodgau zum ‘Familientreffen’ der Ultras angemeldet um die alljährliche Strecke von 5km 10x “zu absolvieren”, aber ich hatte diesmal so gar keine Lust dazu im Kreis zu laufen und so entschied ich mich für eine ‘Kreislaufstörung’. Um die vielen Lauffreunde fand ich es schade, ich hätte Euch gerne alle wiedergesehen, aber wer ein richtiges Trailerherz hat, versteht mich. Seit Wochen plagt mich wieder die Sinnkrise und ein gleichzeitiger Tatendrang mit meinem neuen Navigationsgerät das Umland zu erforschen. Also den Startplatz gecancelt, ein Zugticket nach Crailsheim gekauft und tausche die Monotonie eines 10-Rundenkurses gegen die Einsamkeit in den Ellwanger Bergen.

Zuvor noch alles am PC geplant, ins Navi geladen, 2,5Liter Wasser und Snacks in den Endurance gepackt und ab gings. Zunächst vom Crailsheimer Bahnhof durchs urbane Leben auf Straßen, dann auf Flurstraßen weiter, dann Forststraßen, dann Waldwege … und dann Dickicht. Das Wetter: -4 Grad, bewölkt und trocken.

Zwischen Rosenberg und Adelmannsfelden – ab durch den Wald

Also mal herhören, liebe Kartografen: Ich stand nun mit Entsetzen vor einem Dickicht und es sollte laut Navi ein Weg durchführen. Mag sein, dass vor 50 Jahren hier einer war, jetzt ist er zugewuchert und zwar wie. Das war mal ein Forstweg, in den zugewucherten Reifenspuren stand das Wasser und es bildete sich da längst ein schützenswertes Biotop. Während ich mich noch drüber ärgere, überkommt mich aber dann doch die Neugier und ich schlage mich durchs Gebüsch außen am Biotop vorbei und benötige für 500m knapp 15 Minuten. Der Orkan vor ein paar Wochen, sowie Waldarbeiter mit dem Stiehl-Fichtenmoped haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Irgendwann spuckt mich dann der Wald wieder auf eine Forstraße aus und ich will gleich nochmal! War das geil. Trail in seiner ureigensten Form. Jeder Kilometer-Schnitt wird bei sowas zunichte gemacht, aber wen juckt’s? Aber es ist anstrengend und kräftezehrend – Survival eben.

Was mich bislang davon abhielt, solche Pfade zu laufen, war auch die Unsicherheit mich in fremden Terrain zu verlaufen (und die Wälder hier sind tief…). Mit dem Navi kommt deshalb die große Freiheit, Verlaufen unmöglich. Und das reizte mich dann richtig, erst recht diese wilden unbekannten Trails zu laufen (wobei Laufen der nicht ganz korrekte Ausdruck ist…). Irgendwo kam ich dann wieder aus dem Dickicht, kein Mensch weit und breit, nur Stille. Nur einmal musste ich passen, als mir die Karte eine Brücke über einen 5 Meter breiten Bachlauf anzeigte, die aber definitiv nicht (mehr) vorhanden war. Durchwaten war mir bei der Kälte dann doch zu viel, also außenrum. Mein Spot sendete im Dickicht allerdings kein Signal mehr gen Himmel, worauf meine Gattin auf Kohlen saß, hatten wir doch beide noch die Bilder von Blair Witch im Kopf… :-).

Ich lief die Strecke ab Adelmannsfelden jetzt mehr auf weniger spektakulären Forst- und Flurstraßen weiter und kam nach 46km/800HM und 6 Stunden gesund und munter an. Es hatte länger gedauert als gedacht, aber es war definitiv besser als im Kreis zu laufen.