Auf den Spuren des Trailkönigs Ludwig II.

Familienausflug. Mein letzter Urlaubstag. Nach Chamonix falle ich gerade in ein läuferisches Loch… Im Wetterbericht tags zuvor hören wir, dass das Wetter umschlägt und es jetzt an der Zeit wäre noch etwas zu unternehmen.

Wir starten spontan nach Schwangau zum Tegelberg, ein beliebtes “innerfamiläres” Ziel. Hier sind wir nach 2,5 Stunden Fahrt. Während die Family das relaxt angehen möchte (und besonders unser in die Jahre gekommener Hund) und sich die Seilbahn gönnt, möchte ich hochlaufen. Streckenmäßig und Läuferisch nix Besonderes, aber ich mag den Weg mit seiner Beschaffenheit hier hoch. Der Weg bietet alles, Asphalt, Forstweg, Wurzelwerk, Singletrails, Steine – Abwechslung eben. Und nicht zu vergessen, die fast kitschigen Ausblicke ins bayerische Voralpenland. Meine Fotos passen somit in einen dieser schlecht gemachten Kalender, die man in Schalterräumen von Provinzbankfilialen hängen sieht und dann alljährlich auch noch geschenkt bekommt…
Es ist gar nicht so einfach die Bilder menschenleer zu gestalten, da sich heute jede Menge Leute mit dem gleichen Ansinnen tragen, den Berg hochzugehen. Manche tun dies mit sportlicher Bekleidung, manche mit schönen warmen Jeans…
Familien mit nörgelnden Kindern, die schon nach den ersten 500 Metern die Schnauze vollhaben, sowie Wanderburschen mit dicken Bergschuhen und riesigen Rucksäcken sind heute ebenso unterwegs. Trailer begegne ich keinem, die suchen heute ihre Herausforderungen vermutlich woanders.

Ich starte vom Parkplatz der Talstation aus und laufe mich auf die ersten hundert Meter bereits warm, was aufgrund der direkten Sonneneinstrahlung nur die logische Konsequenz ist.  Ich lese Wegschilder, dass der Aufstieg drei Stunden dauern soll. Ich möchte das etwas ehrlich gesagt schon etwas schneller angehen. Ich nehme den “Direktweg” und nicht die “Tegelberglauf-Variante”. Ich kenne Letztere nämlich nicht genau und was ich meinen Angehörigen nicht zumuten möchte ist, dass sie auf mich warten müssen, nur weil ich mich gerade wieder offroad auf der Suche nach dem Weg durchs Unterholz schlage… Konditionell bin ich eine Woche nach dem TDS gut unterwegs, die Waden zwicken zwar ein wenig bei der Steigung, aber ich komme hoch und kann an manchen Passagen noch laufen.

Ich bin nach über einer Stunde oben angekommen und werde ich bereits von der Familie erwartet und überlege noch, ob ich ganz zum Gipfel laufen soll, aber es schieben sich tumultartig Menschenmengen hoch und runter, dass ich von diesem Vorhaben schnell ablasse. Dass ich auf einen Gipfel steigen kann, muss ich mir nicht beweisen.
Wir lassen uns in der Bergstation im Trubel auf eine Apfelschorle nieder und harren hier einer völlig überforderten Bedienung, die das ungeduldige Genörgel von Touristen über sich ergehen lassen muss. Leute gibt’s…
Hier bleibe ich nicht lange und ich mache mich auf den Rückweg und wähle den Abstieg über die Marienbrücke – Neuschwanstein zur Talstation. Jetzt kommt, auf was ich mich schon gefreut habe. Downhill diese Strecke zu nehmen. Leichtes Gepäck und die LaSportiva Crosslite 2 erlauben mir diese Strecke hinunter zu fliegen.
Es macht tierischen Spaß und als mir die ersten Entgegenkommenden im Nachhinein einen Vogel zeigen, weiß ich, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung.

Ich möchte mich auch bei allen noch entschuldigen, die ich durch mein “Herannahen” erschreckt habe… :-). Ich bedanke mich artig bei jedem der mir Platz macht, und das waren ganz schön viele. Gar nicht so einfach in vollem Lauf immer noch “Hallo” und “Danke” zu sagen. Mit einem älteren bajuwarischen Wanderer komme ich kurz ins Gespräch, er ist ziemlich flott unterwegs. Er würde auch gern so runterlaufen, aber er schafft das einfach nicht mehr. Ich entgegne ihm, dass meine Eltern mir immer verboten haben, in den Bergen zu laufen und deshalb machts jetzt doppelt Spaß. Ich habe aber immer noch Zeit ein paar Fotos zu machen und kann die Aussicht genießen.

Am Schloss Neuschwanstein angekommen überschreite ich die Marienbrücke. Sie wurde zu Recht stabiler konstruiert um die Menschenmassen auszuhalten, vom fotografischen Equipment ganz zu schweigen. Wenn ich schneller dran vorbeikommen würde, wäre ich schon lange weg, aber es dauert, bis ich mir einen Weg durch die Menschenmassen bahnen kann.  Vorbei am Schloss, hier sieht’s nicht besser aus… Viel zu viele Menschen an einem Ort. Ich tendiere in meinem Läuferleben immer mehr zur Einsamkeit…  Ich laufe die Straße vom Schloss hinunter ins Tal und laufe dann rechts in Richtung Talstation. Endlich wieder Ruhe…

Ich laufe durch Wiesen und Felder, vorbei an einem schönen alten Bauernhof, der seine besten Tage auch schon gesehen hat. Ich könnte jetzt ewig so weiterlaufen… Am Parkplatz derBergstation angekommen habe ich gerade mal 01:20 Std. benötigt. Viel zu schnell vorbei das Vergnügen. Somit wars ein kleiner Trainingslauf mit ein paar Höhenmetern und jede Menge Aussicht und Spaß.