5 Ostalb-Summits

Was sich hier wie eine hochalpine und sauerstoffarme Expedition liest, ist eigentlich ein kleiner aber feiner Streifzug durch die Ostalb und ihre “Berge”.

Die Daten

48km, +1500 HM. (Zeitlimit 7 Stunden, wenn’s länger dauert, macht sich meine Frau Sorgen)
Hier der komplette GPS-Track der Strecke.

Während sich andernorts meine Lauffreunde auf den wirklich harten Trails dieser Welt ihre Medaillen verdienen (Tor des Geants, Transalpine Run etc.) und dabei jenseits der 100km-Marke laufen, lege ich einen entspannten Trainings-Ultra ein. Hintergrund ist, dass ich mit ein paar Lauffreunden im November 2011 diese Tour machen möchte und ich sie vorher schon mal in dieser Variante ablaufen möchte. Deshalb ist mein Bericht schon mal für alle, die sich mir im November anschließen wollen. Und kommt mir ja nicht damit, ich hätte es euch nicht vorher gesagt… :-).
Bei diesem Lauf handelt es sich um eine Mischung aus Trail und Landschaftslauf, gespickt mit einigen Höhenmetern. Der Bodenbelag bietet nahezu alles was das Herz begehrt – leider auch manchmal Straße, aber das bringt nunmal die Zivilisation mit sich.

Etappe 1 – Rosenstein (735m)

Um 07:10 Uhr starte ich los und ärgere mich bereits nach 2km, weil eine Trinkflasche leckt. Permanent tropfts mir auf den Arm, das fängt ja gut an. Außerdem ists warm und das schon am frühen Morgen. Ich starte von Mögglingen aus auf Flurwegen nach Lautern mit Laufrucksack, Wechselklamotten und 3 Litern Flüssigkeitsvorräten.

Lautern ist ein richtig schönes schwäbisches Kaff mit einer großen Gärtnertradition und liegt an der Ostseite des Rosensteins. Beim Durchlaufen sehe ich ein Start/Ziel-Banner und beziehe das auf mich, aber außer mir und meiner Frau weiß keiner, dass ich heute hier langlaufe. Da dämmerts mir, dass dass der Lauterner-Landschaftslauf sein muss. Den habe ich glatt verpennt, die Jahre zuvor war ich meist dran beteiligt. Ich ertappe mich aber bei dem Gedanken, dass ich heute bei der Hitze nicht laufen wollen würde und schon gar keine 23km…

In Lautern gehts Richtung Ölmühle und rechterhand liegt das erste Etappenziel: Der Ostfelsen des Rosensteins. Ich verlasse dann die Forststraße, der Trail ruft. Rauf geht’s in Serpentinen und hier schlägt des Trailers Herz höher. Ich muss mich hier bremsen, die Strecke macht zu sehr Spaß und das muss ich bei der drohenden Hitze womöglich noch büßen.

Auf dem Ostfelsen angekommen ein Klasse Ausblick auf Lautern und Richtung Aalen. Weiter geht’s auf dem Bergrücken an der Nordseite entlang in Richtung Burgruine Rosenstein. Hier erst mal kurze Pause, soll ja Spaß machen und heiß ist’s jetzt schon genug.

Nach der Ruine gehts gleich scharf links runter und es kommen mir schon die ersten Nordic Walker und Wanderer entgegen. Und ich dachte ich sei der Erste und Einzige heute morgen…, scheinbar sind alle bettflüchtig in der Gegend hier…

Jetzt geht downhill, runter zur “Stellung”, vorbei am Jägerhaus und runter ins Tal zum nächsten Aufstieg. Die ganzen mühsam erarbeiteten Höhenmeter sind wieder futsch und es geht von Neuem los.

Etappe 2 – Scheuelberg (717m)

Durch einen Feldweg, der rechts abbiegt gehts hoch zum Scheuelberg. Und wieder bevorzuge ich Gehtempo, alles andere ist Leistungssport und macht heute wenig Sinn, zumal ich mein eigener Verpflegungsposten bin und entlang der Strecke verpflegungstechnisch sonntags ziemlich wenig zu erwarten ist. Der Aufstieg zum Scheuelberg erfolgt durch des Bauern grüne Wiesen und verschlungene Pfade.

Wie auch schon beim Rosenstein ist der Weg nach oben kurz, hart und knackig. Einfache Singletrails führen bis ganz nach oben und man muss den Weg schon kennen um nach oben zu gelangen, andernfalls findet man sich irgendwo im Wald wieder.

Auf dem Bergrücken des Scheuelbergs nehme ich die dem “Himmelreich” zugeneigte Variante mit seinen grandiosen Ausblicken. Wer schon mal hier war, der weiß, wie schön es da ist und warum dieses Tal den Namen zurecht trägt. Und wer schon mal an einem schönen Sonntag Nachmittag da war, der weiß auch, was die Hölle ist. Beides liegt hier wirklich nah beieinander…

An der Westseite des Scheuelbergs gelangt man zu einem grandiosen Aussichtspunkt, von hier hat man den Ausblick ins Tal und in der Ferne sieht man S21 und mit viel Glück Grün/Rot regieren. Ich steige hinab zum Naturfreundehaus, hier ist noch nichts los. Die Hüttenmannschaft ist schon da, gönnt sich aber noch da ein oder andere koffeinhaltige Heißgetränk bis der touritische Ansturm naht.

Was jetzt kommt ist erst mal eine anspruchsvolle Downhillstrecke und dann der Forstweg nach Weiler. Hier laufe ich. Zum Einen möchte ich weiterkommen und zum anderen eignen sich Forstwege nur um Strecke zu machen und mir gedankenversunken die Landschaft anzuschauen.

Etappe 3 – Stuifen (757m)

Die Forststraße wird zur Teerstraße, vereinzelt kommen mir jetzt die ersten Wanderer und Sportler in Tchibo-Trainingsanzügen entgegen, ein eindeutiges Indiz für einen Autoparkplatz sowie die nahende Zivlisation.

Nach ein paar Kilometern erreiche ich die Ortschaft Weiler. Werktags hat hier die Bäckerin ihren Laden geöffnet und man kann sich mit Getränken und Backwerk versorgen. Heute bleibt mir der Schnabel trocken und die Hitze lässt mich meine Vorräte rationieren. Ich sollte wesentlich mehr trinken… Ich laufe weiter, verlasse Weiler und treffe hier noch auf einen Bauern, der es sich gerade unter einem Baum gemütlich gemacht hat und ich kann anhand seiner erstaunten Gesichtszüge seine Gedanken förmlich lesen: “Einer von uns beiden macht gerade was falsch…”  Ich ziehe weiter…

Im Wald wirds kühler und als ich nach einigen Kilometern den Wald wieder verlasse, sehe ich vor mir den Stuifen und den Rechberg. Ich laufe an den Zusenhöfen vorbei bis hinunter ins Tal und quere die Waldstetter Straße, um dann den härtesten und schönsten Anstieg des heutigen Tages anzugehen. Zunächst führen mich Wege über Wiesen und dann in den Wald am Fuße des Stuifen. Und jetzt geht’s so richtig los: Matsch, Dreck, Singletrails… hier hält sich nach Regengüssen das Wasser sehr lange und ich komme mit viel Glück trockenen Fußes weiter. Überall mannshohe Brennesseln, heruntergefallene Äste, umgestürtze Bäume und ich komme nur langsam voran. Hier war schon länger keiner mehr und dieser Weg ist auch wenig begangen, bietet er doch so gar keine touristischen Highlights…

Ein traumhafter Singletrail windet sich den Stuifen hinauf, hier läuft kein Berlinmarathon-Teilnehmer zum Training oder zum Spaß, hier trennt sich Spreu vom Weizen. Es geht auf der Strecke des jährlich stattfindenden Albmarathons zum Gipfel.

Aber bis dorthin sind noch einige Höhenmeter zu machen und die haben es in sich, noch dazu bei der Hitze. Bis zum Aussichtspunkt ists noch ein Stück und ich laufe auf dem Bergrücken des Stuifen entlang. Dichte Vegetation verhindert leider die großartige Aussicht in Richtung Waldstetten, aber alleine der Weg entschädigt für alles und manchmal gelingt mir ein Blick auf den Rechberg.

Während ich das hier schreibe, lese ich in der aktuellen Beschreibung in Wikipedia, dass seit 2010 ein 12m hohes Kreuz geplant  ist, welches auf dem Gipfel des Stuifen errichtet werden soll. Das ist mittlerweile Realität und soll touristisch den Kreis der drei Kaiserberge schließen. Vor 4 Wochen war hier noch nichts… geht schnell sowas…

Etappe 4 – Rechberg (707m)

Ich mache auf dem Stuifen erst mal Pause, fülle mich mit Wasser und Nahrung ab, versuche ein wenig “abzutrocknen”, danach gehts runter und “rüber” zum Rechberg. Beim Abstieg verliere ich nur wenige Höhenmeter und laufe auf der Straße durch die gleichnamige Ortschaft Rechberg. Die Sonne und der Asphalt meinen es heute wieder nicht gut mit mir und ich muss wieder an den Bauern unter dem Baum denken. In der Ortschaft gehts links nach oben und nach einer halben Stunde seit meinem Aufbruch vom Stuifen stehe ich auf dem Rechberggipfel. Ich bin selber überascht, das ist wirklich nur ein Katzensprung.

Hier oben steppt der Bär: Wallfahrer zu Hunderten. Hier fand eben ein Gottesdienst statt und alle haben nun nach dem bisschen Hostie tierischen Kohldampf und die Berggaststätte macht das Geschäft des Jahres. Hier ist auch die 25km-Marke des Albmarathons, nur stehen heute keine Verpflegungsstellen da, sondern ein richtiger Ausschank. Ich überlege nicht zweimal, stelle mich in die Schlange für Getränke und versorge mich mit Apfelschorle und Cola. Ich bin sicher ein Anblick zum Davonlaufen. Ich sehe verschwitzt, ausgemergelt und verdreckt aus. An mir ist kein Stück trockenes Textil, ich kann mich selber nicht riechen, aber interpretiere den “Sicherheitsabstand” des Vordermannes und des Nachfolgenden zu mir als versuchte Körperverletzung bzw. Erregung öffentlicher Erregung. Da wird der Christ auf eine harte Probe gestellt, das läuft unter “Nächstenliebe” meine Brüder und Schwestern… ;-).
Nachdem ich sehr zuvorkommend und ungewöhnlich schnell bedient wurde, mache ich noch ein Foto und ziehe weiter.

Etappe 5 – Hohenstaufen (684m)

Ab jetzt laufe ich in entgegengesetzter Richtung die Albmarathonstrecke zum Hohenstaufen. Die Strecke auf der Straße durch Rechberg bis zum nächsten Waldstück empfinde ich aufgrund der Sonneneinstrahlung als nicht besonders prickelnd. Immer wieder fällt mir ein Spruch von Lauffreund Guido aus der Schweiz ein: “Nur Esel und Weiße laufen in der Sonne”. Wie wahr, aber wenn kein Schatten da ist mach ich mich auch gern mal zum Affen…

Nach ca. 2km erreiche ich ein Waldstück und sofort blühe ich wieder auf und es läuft wieder wie von selbst. Dann sehe ich das letzte Objekt der Begierde, den 5. Gipfel – der Hohenstaufen. Durch seine markante Form sowie durch seinen scharf abgegrenzten Baumbewuchs ist er aus jeder Richtung schon von Weitem zu erkennen.
Zunächst laufe ich noch auf einem Feldweg, später gehts die Straße entlang und werde dafür mit einer grandiosen Aussicht belohnt.

Dann kommt der unvermeidbare Anstieg. Eigentlich ist das nur noch ein Hüpfer und dann ist man oben, eigentlich. Es führen einige Wege zum höchsten Punkt, alle außenrum oder in Babyjoggertauglichen Serpentinen. Ich habe aber jetzt keinen Bock mehr und gehe diese letzte Steigung bis ganz nach oben direkt an. Mag sein, dass mir dadurch noch einige schöne Wegstrecken verborgen bleiben, aber die Hitze setzt mir zu und ich will endlich oben sein. Nach über 5 Stunden und gerade mal 38km bin ich da und habe “meine” Gipfel wieder beisammen.

Etappe 6 – Lorch

Ich steige die gleiche Strecke wieder hinab und biege dann in Richtung Maitis ab. Hier verläuft ein wunderschöner Weg abseits der Straße bis nach Maitis. Im Ort biege ich auf den Hauptwanderweg 7 ab und von dort runter ins Beutental.

Teilnehmer des Albmarathons werden mir sicher beiplichten, dass diese Ecke der Ostalb ein richtiges Kleinod ist.

Ich verlasse den HW7 und komme wieder auf die Straße, auf der der Albmarathon in entgegengesetzter Richtung verläuft. Ich habe allerdings hier zwei Vorteile: Ich laufe bergab und habe die Großteil der Stecke schon hinter mir. Ich komme zum Waldcafe “Beutental”, einer romantisch gelegenen Ausflugsgaststätte und ertappe mich bei dem Gedanken, hier alle Viere von mir zu strecken und meine Frau zu bitten, mich abzuholen. Aber ich bin heute am Start um zu Laufen und in ein paar Kilometer ist ohnehin alles in trockenen Tüchern.

Ich laufe das komplette Beutental auf der Straße entlang. Dass es eine Straße ist, stört mich nicht weiter, da sie für den Durchgangsverkehr gesperrt ist und somit mir gehört…
Irgendwann treffe ich dann auf die B29 und kann mich zwischen einem Radweg direkt neben der Bundesstraße oder ber einen etwas höher gelegenen Waldweg entscheiden. Ich muss da nicht lange überlegen:

Die letzten Kilometer gehts durch den Wald am Muckensee vorbei. So, nach über 7 Stunden bin ich in Lorch angekommen, knapp 48km waren es und +1500HM. Eigentlich hatte ich die Fahrt mit dem Zug zurück zum Ausgangspunkt geplant, aber meine Frau hat mich spontan mit dem Auto abgeholt und zu einem Eis in einem Gmünder Café gezwungen… 🙂